Dressurprüfung: Mit dem korrekten Einreiten punkten

Das Einreiten ist Teil jeder Dressurprüfung. Es ist die erste Lektion, die von den Richtern bewertet wird. Mit dieser Lektion gibt jeder Reiter quasi seine Visitenkarte bei den Richtern ab. Daher sollten Sie das Einreiten üben und schon bei dieser Lektion konzentriert reiten.

Anzeige

Was gehört zum Einreiten?

Im Aufgabenheft steht bei Aufgaben im 40er Viereck immer (A-X) Einreiten, bei X halten und Grüßen.

Bei Aufgaben auf den großen 60er Viereck ist das Halten manchmal auch erst bei G gefordert, also kurz vor dem Richter bei C.

Immer freundlich Grüßen
Immer freundlich Grüßen

Bei E-Dressuren findet das Einreiten meist im Schritt statt. Spätestens ab A erfolgt das Einreiten im Trab. Bei Dressurprüfungen ab der Klasse M wird manchmal auch im versammelten Galopp eingeritten.

Der Weg ist aber unabhängig von der Klasse oder Gangart immer der gleiche:

Bei A auf die Mittellinie abwenden und in gerader Linie auf die Richter bei C zureiten. Am geforderten Punkt  so anhalten, dass die Schulter des Pferdes auf Höhe des Bahnpunktes ist, beim Halten bei X ist das die E-B Linie.

Zum Einreiten gehört auch schon der Weg zur Mittellinie, das Abwenden auf die Mittellinie und natürlich der Weg bis zum Haltepunkt, sowie das Anhalten selbst.

Wie sollte das Einreiten aussehen?

Das Pferd sollte von Anfang der Prüfung an konzentriert auf den Reiter achten und an den Hilfen stehen. Meistens hat man Zeit dem Pferd das Viereck zu zeigen, bevor die Richter mit der Glocke signalisieren, dass die Prüfung beginnt. Ab dem Klingeln zählt es dann.

Das Abwenden auf die Mittellinie sollte so erfolgen, dass das Pferd direkt auf der Mittellinie ankommt und nicht daneben. Reiten SIe dazu am besten die erste Ecke der kurzen Seite gut aus und reiten dann entsprechend dem Radius Ihres Pferdes noch einmal eine Viertelvolte auf die Mittellinie. Auf der Mittellinie stellen Sie Ihr Pferd gerade (ausser im Galopp, da bleibt das Pferd leicht in Richtung des Handgalopps gestellt).

Auf der Mittellinie ist es wichtig, dass das Pferd gerade ist und mit den Hinterhufen in der Spur der Vorderhufe läuft. Das Pferd sollte weder versetzt laufen, noch wegen der fehlenden Anlehnung an der Bande ins Schwanken geraten.

Die ganze Parade zum Halten sollten Sie rechtzeitig vorbereiten. Dabei sollte das Pferd allerdings nicht schon vorzeitig ins Stocken geraten und austrudeln. Die Parade sollte weich erfolgen und das Pferd am Punkt zum stehen kommen.

Bei Halten selbst sollte das Pferd geschlossen auf allen vier Beinen stehen und den Kopf unten behalten. Steht das Pferd nicht geschlossen oder geht der Kopf nach oben, korrigieren Sie das. Den Richtern ist es wichtiger zu sehen, dass Sie Fehler erkennen als die 2 Sekunden Zeit zu sparen, die eine Korrektur dauert. Erst wenn das Pferd korrekt steht, nehmen Sie die Zügel in die linke Hand und Grüßen mit einem Nicken und einem nach unten strecken der rechten Hand. 

Wichtig: Wenn Sie mit Gerte reiten, wechselt die ebenfalls in die linke Hand. Die Richter mögen es nicht, wenn man Sie mit der Gerte bedroht^^.

Nach dem Grüßen, sortieren Sie die Zügel wieder richtig und starten dann mit der nächsten Lektion.

Tipps zum korrekten Einreiten

  • Reiten Sie tief in die Ecke an Anfang der kurzen Seite.
  • Machen Sie danach das Pferd wieder gerade.
  • Etwa eine Pferdelänge vor A schauen Sie genau auf C und bringen das Pferd mit einer viertel Volte auf die Mittellinie.
  • Stellen Sie Ihr Pferd wieder gerade
  • Um zu verhindern, dass das Pferd auf der Mittellinie schwankt, sollten Sie leicht zulegen. So bleibt das Pferd eher gerade.
  • Die ganze Parade am Punkt reiten, nicht austrudeln
  • Das Pferd sollte geschlossen stehen – zur Not durch eine halbe Parade korrigieren
  • Lassen Sie sich Zeit, bis das Pferd wirklich korrekt steht, bevor Sie grüßen
  • Greifen Sie die Zügel richtig mit der linken Hand und Grüßen Sie mit der rechten Hand und einem Kopfnicken.
  • Die Gerte beim Grüßen nicht in der rechten Hand halten
  • Nach dem Grüßen erst wieder alles sortieren, bevor es weiter geht

Trainingstipps

Neigt Ihr  Pferd dazu, von alleine bei X auszutrudeln, sollten Sie im Training immer erst ein oder zwei Pferdelängen nach X halten. So können Sie auf dem Turnier eine saubere Parade reiten, ohne das Pferd erst mühsam bis X nötigen zu müssen. Reiten Sie auch öfter mal einfach durch die Länge der Bahn geritten oder durch die Länge der Bahn wechseln, damit das Pferd nicht automatisch auf die ganze Parade wartet.

Achten Sie darauf, dass das Pferd gerade steht und nicht zur Seite tritt. Tut es das gerne, legen Sie in Training zwei Stangen links und rechts von der Mittellinie auf den Boden. Ein Abstand von knapp einem Meter ist gut. Zwischen diesen Stangen halten Sie dann. Diese Übung hilft das Pferd gerade zu halten und an der richtigen Stelle stehen zu bleiben.

Üben Sie auf jeden Fall, dass Ihr Pferd auch dann Stehen bleibt, wenn Sie sich im Sattel bewegen – zum Beispiel Grüßen. Viele Pferde reagieren auf die Bewegung des Reiters und treten dann zur Seite oder vorwärts.

Üben Sie mit Ihrem Pferd auch, dass es über einen längeren Zeitraum korrekt stehen bleibt. Viele Pferde sind gerade auf dem Tunier zappelig und mögen gar nicht ruhig stehen. Das korrekte Halten ist aber nur eine Frage von Übung und Disziplin. Üben Sie ruhig auch mal 2-5 Minuten korrekt ruhig stehen – spätestens bei der Siegerehrung zahlt sich dieses Training aus.

Mein Kommentar

Das Einreiten wird im Training oft vernachlässigt, dabei sind hier wirklich einfach wertvolle Punkte zu holen. Gerade in gemeinsam gerichteten Prüfungen in den unteren Klassen zählt das Einreiten besonders viel. Geht diese erste Lektion schon daneben, wird die Gesamtwertnote nicht mehr gut.

Das kenne ich leider zur Genüge. Mein Hannoveraner ApplePie war ein sehr guckiges Pferd, dass es gehasst hat direkt auf die Richter zuzugehen. Dazu kam das Problem, dass er turniersauer war und die ganze Atmosphäre nicht mochte. Das Ende vom Lied war des öfteren: Einreiten – Halten – Steigen. Damit steht in der A-Dressur leider schon die Wertnote 4,0 wegen Ungehorsam auf dem Protokoll. Danach kann das Pferd glänzen wie es will – der Ungehorsam bleibt stehen.

Gelöst haben wir das Problem, indem ich einfach keine gemeinsam gerichteten Prüfungen mehr geritten bin. In L-Dressuren auf dem großen Viereck und M-Dressuren ist das Einreiten nur eine von vielen Lektionen, die man durch Glanzpunkte an anderer Stelle ausgleichen kann, wenn es schief geht.

Damit war der Druck weg und das Einreiten hat gleich viel besser geklappt. Das Problem sitzt doch meistens zum Großteil auf dem Pferd. Perfekt geklappt hat es trotzdem nicht immer, wie auf dem Foto zu sehen ist. Der Fotograf war dann doch einfach zu spannend, um die Nase unten zu behalten 😉

Ähnliche Beiträge