Das Scherengebiss beim Pferd

Treffen die Backenzähne bei einem Pferd dauerhaft nicht oder nur minimal aufeinander, kann es zu einer kompletten Umformung der Backenzähne kommen. Man spricht dann von einem Scherengebiss beim Pferd, da sich zwei schiefe Ebenen bilden, die an die Schneiden einer Schere erinnern.

Wie sieht das Scherengebiss aus?

Das Scherengebiss kann einseitig oder beidseitig auftreten. Der Winkel der Zähne wird dabei steiler, oft über 40 Grad. Die Zähne werden im Extremfall zu Dreiecken abgeschliffen. Die dadurch entstehenden scharfen Kanten können Zahnfleisch und Zunge verletzen.

Das Scherengebiss - (Foto: Franziska Goldmann)
Das Scherengebiss – (Foto: Franziska Goldmann)

Wie entsteht das Scherengebiss beim Pferd?

Für die Entstehung gibt es verschiedene Ursachen. Zum einen kann das Scherengebiss durch eine Fehlentwicklung des Kiefers entstehen. Ist der Unterkiefer deutlich schmaler als der Oberkiefer, treffen die Backenzähne nicht mehr richtig aufeinander und des Scherengebiss entwickelt sich. Dieser zu kleine Unterkiefer kann angeboren sein oder durch Entwicklungsstörungen entstehen. Auf jeden Fall tritt das Scherengebiss in diesem Fall schon bei jungen Pferden auf.

Ein weiterer Grund für ein beidseitiges Scherengebiss sind stark ausgeprägte Haken. Die Spitzen verhindern eine normale mahlende Kaubewegung, wodurch die Abnutzung immer punktueller wird und sich ebenfalls ein Scherengebiss ausbilden kann.

Eine weitere Ursache für ein Scherengebiss kann ein Problem mit dem Kiefergelenk sein. Das tritt meistens einseitig auf. Ist das Kiefergelenk zu wenig beweglich, kaut das Pferd auf der betroffenen Seite kaum noch. Als Folge wird die andere Seite überbelastet und die Zähne flachen ab. Auf der betroffenen Seite bildet sich ein Scherengebiss.

Einen ähnlichen Effekt können schlecht verheilte Kieferverletzungen haben.

Das Scherengebiss bei Kiefergelenksproblemen - (Foto: Franziska Goldmann)
Das Scherengebiss bei Kiefergelenksproblemen – (Foto: Franziska Goldmann)

Symptome

Die Symptome sind ähnlich wie bei anderen Zahnerkrankungen häufig recht allgemein und wenig auffällig. Daher wird eine Diagnose oft erst spät oder zufällig gestellt.

Hinweise können sein:

  • Schlechter Allgemeinzustand
  • Schwerfuttrigkeit
  • Futterreste im Kot, z.B. ganze Haferkörner
  • Heuwickel
  • Unrittigkeit
  • heftige Reaktionen auf Berührungen seitilch am Kopf, zum Beispiel beim Halftern oder Trensen
  • sehr langsames Fressen
  • Bluten aus dem Maul / blutiger Schaum beim Reiten

Behandlung

Die Behandlung ist schwierig und ja nach Ursache recht langwierig. Um die Kauflächen wieder anzugleichen werden in einem ersten Schritt die scharfen Kanten entfernt. Dann werden meist in mehreren Schritten die Kauflächen wieder flacher geschliffen, um eine normale Kaubewegung zu ermöglichen.

Ist die Ursache eine Fehlentwicklung des Kiefers, lassen sich lediglich die Symptome lindern, indem regelmäßig die scharfen Kanten entfernt werden.

Ist das Scherengebiss durch Haken entstanden, sollte sich die Kaubewegung nach der Behandlung wieder verbessern. Allerdings empfiehlt es sich auch das Kiefergelenk und die Kaumuskulatur durch einen Physiotherapeuthen oder Osteopathen behandeln zu lassen, da es hier im Laufe der Zeit wahrscheinlich zu Verspannungen und Bewegungseinschränkungen gekommen ist.

Ist die Ursache das Kiefergelenk, muss hier unbedingt mit behandelt werden. Ein Röntgenbild oder eine Computertomographie kann Aufschluss über knöcherne Verletzungen und Verschleiß geben.

Mögliche Entzündungen im Gelenk kann der Tierarzt behandeln. Da das Problem schon länger besteht, bis ein Scherengebiss entstanden ist, sind die Prognosen allerdings meist nicht so gut. Meistens ist schon eine Arthrose im Gelenk entstanden. Das heißt man kann lediglich die Symptome lindern und das Fortschreiten verlangsamen.

Die Muskelverspannungen und die eingeschränkte Beweglichkeit sind ein Fall für einen Physiotherapeuthen oder Osteopathen. Durch Behandlungen kann man hier oft die Problematik deutlich verbessern.

Sind lediglich Verspannungen die Ursache für das Kiefergelenks-Problem, lohnt sich eine Ursachensuche. Eine einseitig harte Reiterhand, ein in sich schiefes Pferd oder ungleiche Vorderhufe können hinter dem Problem stecken.

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