Haken: Wenn dem Pferd die Zähne wehtun
Pferde nutzen beim kauen Ihre Zähne ab. Das ist ein natürlicher Vorgang. Das Problem an der Sache ist, dass die Backenzähne meist nicht ganz gleichmäßig abgenutzt werden. Dadurch entstehen spitze Kanten an den Zähnen, die so genannten Haken.
Die Haken sind im Oberkiefer meistens an der Außenkante und im Unterkiefer an der Innenkante der Backenzähne. Die Kanten können rasiermesserscharf sein und das Pferd verletzten. Je höher die Haken werden, desto mehr stören sie das Pferd beim Fressen. Irgendwann kann das Pferd sein Futter nicht mehr ordentlich zermahlen und schneidet sich bei jedem Bissen in die Schleimhäute und die Zunge. Spätestens jetzt zeigt das Pferd deutliche Symptome: Der Allgemeinzustand wird schlechter, das Pferd frisst kaum noch und im Kot sind noch ganze Futterstücke zu erkennen.
Das ist natürlich der Extremfall der nur selten vorkommt. Deutlich vorher stellen sich Probleme beim Reiten ein. Das Pferd will sich nicht mehr stellen, wehrt sich gegen das Gebiss und verwirft sich häufig. Dieser Effekt tritt vor allem bei Gebissen mit Ringen auf, weil die Ringe beim Annehmen des Zügels gegen die Backen des Pferdes drücken. So wird die empfindliche Schleimhaut gegen die scharfen Kanten an den Zähnen gedrückt und das Pferd hat Schmerzen.
Ein weiteres Alarmsignal ist, wenn ein Pferd plötzlich keine Äpfel und anderes saures Obst mehr mag. Das deutet auf Verletzungen an der Schleimhaut hin, denn die Säure brennt dann beim Fressen.
Damit es nicht soweit kommt, sollten Sie die Zähne Ihres Pferdes mindestens einmal pro Jahr kontrollieren lassen und wenn es notwendig ist raspeln lassen. Dabei werden die Kauflächen der Backenzähne begradigt, so dass die Haken verschwinden und das Pferd wieder richtig kauen kann. Das Raspeln ist für das Pferd schmerzfrei. Die meisten Pferde wehren sich jedoch am Anfang gegen diese Behandlung, weil sie ungewohnt ist. Deshalb ist es manchmal nötig, das Pferd für die Zahnbehandlung zu sedieren.
Es gibt zwei Möglichkeiten die Zähne zu raspeln: Elektrisch oder per Hand. Werden die Zähne elektrisch geraspelt, kommt eine Bohrmaschine zum Einsatz. Auf diese ist eine lange Stange montiert, an deren Spitze sich eine kleine Schleifscheibe befindet. Mit dieser Stange kommt der Pferdezahnarzt gut an die hinteren Backenzähne. Allerdings erschreckt der Lärm viele Pferde.
Arbeitet der Zahnarzt von Hand, setzt er Raspeln ein, bei denen eine kleine Schleiffläche an einer langen Stange sitzt. Welches System besser ist, wird heiß diskutiert. Die elektrische Methode geht deutlich schneller und soll so schonender für das Pferd sein. Verfechter der Hand-Methode behaupten jedoch, dass sie von Hand deutlich genauer arbeiten können und so die Zähne besser bearbeiten.
Zahnbehandlungen beim Pferd werden entweder vom Tierarzt oder von Zahnspezialisten für Pferde durchgeführt. Die meisten Pferde-Tierärzte können einfache Zahnbehandlungen durchführen und haben auch das Werkzeug um Haken abzuraspeln. Daneben gibt es noch die Zahnspezialisten, die Ihre Ausbildung meist in den USA oder Kanada gemacht haben. Diese Spezialisten können auch die Zahnstellung korrigieren, falls es nötig ist, oder in schwierigeren Fällen weiterhelfen. Oft sind diese Zahnspezialisten auch Tierärzte. Ist das nicht der Fall, darf der Pferdezahnarzt das Pferd nicht sedieren, falls es nötig ist. Dann muss eventuell noch der Haustierarzt hinzu gerufen werden, um dem Pferd eine Beruhigungsspritze zu geben.
Das Entfernen der Haken kostet je nach dem, wer es durchführt und wie aufwendig die Behandlung ist zwischen 40 und 150 Euro. Muss das Pferd sediert werden, kommen noch einmal etwa 30-40 Euro hinzu.
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