Ausreiten – mit dem Pferd in die Natur – Tipps

Ausreiten: Das bedeutet, mit dem Pferd durch die Natur streifen und dabei die Seele baumeln lassen. Das gehört zum Reiten einfach dazu. Doch was ist nötig, damit das Ausreiten auch klappt und für Reiter und Pferd zu einem schönen Erlebnis wird? Hier die wichtigsten Tipps.

Ausreiten ist schön: Ein Ausritt bei herrlichem Wetter ist gut für die Seele
Ausreiten ist schön: Ein Ausritt bei herrlichem Wetter ist gut für die Seele

Was muss der Reiter können?

Bevor sich ein Reiter das erste Mal selbstständig ins Gelände wagt, sollte er sicher auf dem Pferd sitzen und zwar in allen Gangarten. Dazu sollte er sein Pferd kontrollieren können, also das Tempo und die Richtung bestimmen.

Wer das noch nicht beherrscht, kann sich im Gelände führen lassen. Das kann eine Person sein, die nebenher läuft und das Pferd am Strick führt oder ein anderer Reiter, der das Pferd als Handpferd mitführt und so unter Kontrolle hat.

Was muss das Pferd können?

Beim Pferd gilt ähnlich wie beim Reiter: Gas, Bremse und Lenkung müssen funktionieren, bevor man sich in die freie Wildbahn wagt.

Ideal ist natürlich ein geländesicheres Pferd. Also ein Pferd das die verschiedenen Umwelteindrücke kennt und gelassen darauf reagiert.

Wann und wo darf ich ausreiten?

Das „wann“ ist recht einfach: Tagsüber, solange die Sicht es erlaubt. In den Dämmerungs- und Nachtstunden sind Waldränder und Wälder tabu, da man sonst das Wild aufscheucht und eventuell einen Jäger bei der Jagd stört. Mehr dazu findet Ihr in meinem Tipp zu Reitern und Jägern.

In der Dämmerung sind Wälder und Waldränder tabu für Reiter
In der Dämmerung sind Wälder und Waldränder tabu für Reiter

Welche Wege zum Reiten freigegeben sind, ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und kann sogar in den einzelnen Gemeinden unterschiedlich geregelt sein. Am besten vor Ort nachfragen, wo man reiten darf. Das Spektrum reicht dabei von „alle Wege dürfen beritten werden, die nicht ausdrücklich als Reitverbot gekennzeichnet sind“, bis zu Gebieten, in denen nur explizit als Reitweg gekennzeichnete Wege mit dem Pferd betreten werden dürfen.

Manche Gemeinden haben auch eine Kennzeichnungspflicht für Pferde. In diesem Fall muss meistens eine Art Nummernschild für das Pferd angeschafft werden.

Keinen Flurschaden anrichten

Allgemein gilt: Der Reiter darf keinen Flurschaden anrichten. In Feldern, Wäldern, auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen und in Gärten sowie Parks haben Pferde in der Regel nichts zu suchen. Also überall dort, wo die Pferde mit ihren Hufabdrücken Schaden anrichten, sollte man nicht reiten.

Meist lassen sich genügend Wege und Seitenstreifen finden, auf denen man gut reiten kann. Dabei sollte man jedoch darauf achten, dass man die Wege nicht zerstört. Gerade bei feuchtem Wetter leiden manche Wege stark unter den Pferdehufen. Ist ein Weg nur noch Sumpf, kann es schnell Ärger mit dem Besitzer oder anderen Nutzern des Weges geben. Hier ist es geschickter, solche empfindlichen Stellen bei Regenwetter zu meiden.

Ein Sonderfall sind Stoppelfelder. Die abgeernteten Felder sind vor dem Umpflügen ein Paradies für Reiter. Denn hier machen die Hufabdrücke nichts aus. Sofern der Boden gut genug ist, kann man hier herrlich galoppieren. Trifft man den Bauern, freut der sich meistens, wenn man ihn freundlich fragt, ob man über das Stoppelfeld reiten darf.

Stoppelfelder laden zum Galoppieren ein (Foto: Franziska Goldmann)
Stoppelfelder laden zum Galoppieren ein (Foto: Franziska Goldmann)

Auf den meisten Straßen darf man ebenfalls reiten. Das ist jedoch für alle Beteiligten nur mäßig schön. Mehr Hinweise dazu findet ihr in meinen Tipps zum Ausreiten auf der Straße.

Die Ausrüstung

Die Ausrüstung muss so sein, dass man sicher auf dem Pferd sitzt und es zuverlässig kontrollieren kann.

In den meisten Fällen ist das also ein Sattel und ein Zaumzeug. Erfahrene Reiter können auch mal auf den Sattel verzichten, wenn sie das wollen.

Anders sieht es mit dem Zaumzeug aus. Das sollte immer am Pferd sein, wenn man sich in die freie Wildbahn traut. Das hat nicht nur mit der eigenen Sicherheit zu tun, sondern auch mit der Umgebung und mit dem Versicherungsschutz.

Ein Pferd, das unkontrolliert durch die Gegend schießt, kann nicht nur seinen Reiter schwer verletzen, sondern auch Fußgänger, Radfahrer oder Autofahrer. Rennt das Pferd auf die Straße, ist schnell ein Unfall passiert. Für die dabei entstandenen Schäden haftet man als Pferdehalter. Ist jemand verletzt worden, kann das schnell teuer werden. Die meisten Tierhalterhaftpflicht-Versicherungen zahlen aber nur, wenn das Pferd ein Zaumzeug trug. Bei den meisten Versicherungen sind mittlerweile auch gebisslose Zäumungen ok, das sollten Sie aber abklären, bevor Sie ohne Gebiss ausreiten gehen.

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Abends und in der Dämmerung

Wer in den Abendstunden unterwegs ist, sollte dafür sorgen, dass er gut gesehen wird. Das gilt für Straßen, aber auch für das übrige Gelände. Denn einen unsanften Zusammenstoß mit einem Radfahrer will keiner und von einem Jäger für ein Reh gehalten zu werden, ist recht unangenehm.

Neben den aktiv leuchtenden , die im Straßenverkehr vorgeschrieben sind, gibt es auch noch Kopflampen , die sich am Helm befestigen lassen. Passive Sicherheit bieten reflektierende Streifen. Am einfachsten ist eine Warnweste aus dem Auto . Wer viel abends unterwegs ist, kann auch spezielle Gamaschen und Decken für das Pferd kaufen, die es gut sichtbar machen.

Schutz vor Bremsen

In der Bremsenzeit ist es für die Pferde deutlich entspannter, wenn man sie vor den Plagegeistern schützt. Das kann entweder per Fliegenspray sein oder mit einer Fliegenausreitdecke . Ich persönlich bevorzuge eine Fliegendecke, da die nicht so stinkt und auf Dauer günstiger ist. Außerdem muss ich keine Hautreaktionen auf das Fliegenspray befürchten.

Die Fliegenausreitdecke sieht zwar etwas komisch aus, schützt das Pferd aber vor den meisten Plagegeistern in Insektenform (Foto: Franziska Goldmann)
Die Fliegenausreitdecke sieht zwar etwas komisch aus, schützt das Pferd aber vor den meisten Plagegeistern in Insektenform (Foto: Franziska Goldmann)

Für den Reiter ist eine Reitkappe sehr zu empfehlen. Denn gerade im Gelände besteht die Gefahr, bei einem Sturz auf einen Stein oder eine harte Kante zu fallen. Die Kappe kann auch vor tiefhängenden Ästen und vom Vorpferd aufgewirbelten Steinen schützen.

Wer sich unsicher ist, im Gelände zügig reiten oder sogar springen will, der sollte auch eine Sturzweste tragen. Die kann die Wirbelsäule und die Rippen im Falle eines Sturzes vor schwereren Verletzungen schützen.

Handy muss mit

Auf jeden Fall sollte auch ein Handy mit. Das hilft im Notfall dabei Hilfe herbeizurufen, sei es für das Pferd oder den Reiter. Smartphones haben zusätzlich den Vorteil, dass sie über GPS verfügen und einem, falls man sich verreitet, den Weg nach Hause weisen können.

Bei steinigem Gelände hat es sich bewährt einen Hufauskratzer dabei zu haben. Damit lassen sich eingetretene Steine schnell wieder entfernen, so dass das Pferd wieder schmerzfrei laufen kann.

Alleine oder in der Gruppe?

Mit anderen zusammen auszureiten macht Spaß und ist für die meisten Pferde auch entspannter. Gerade am Anfang kann man den Herdentrieb nutzen. Die meisten Pferde bleiben bei ihren Kumpels und schauen sich bei ihnen ab, was ein Grund zur Panik ist und was nicht.

Zu mehreren ausreiten hat auch den Vorteil, dass im Falle eines Unfalls schnell Hilfe da ist. Allerdings muss man sich natürlich nach den anderen richten und Wege und Tempo immer an das schwächste Gruppenmitglied anpassen.

Alleine ausreiten kann mit einem zuverlässigen Pferd sehr entspannend sein, da man sich nur nach seinem Pferd richten muss. Allerdings empfiehlt es sich hier, jemandem Bescheid zu geben wie lange und wohin man reitet. So gibt es einen Ansatzpunkt zum suchen, falls etwas passiert.

Schönwetterreiter?

Im Sommer bei Sonnenschein ist das Ausreiten ja herrlich, allerdings nerven da die Bremsen und Fliegen. Ich mag ja Frühjahr und Herbst lieber. Da sind weniger nervende Insekten unterwegs und das kühlere Wetter erlaubt auch flotte Ausritte.

Ausreiten kann man mit der richtigen Ausrüstung bei fast jedem Wetter. Schüttender Regen ist allerdings etwas ungünstig, da es zwar Regenzeug  gibt, das aber nicht wirklich bequem ist. Auch das Sattelzeug vom Pferd verträgt ein Vollbad meistens nicht so gut.

Das einzige Wetter bei dem ich gar nicht rausgehe, ist Glatteis. Das ist viel zu gefährlich. Ein Pferd, das ins Rutschen kommt, kann schnell Knochen zertrümmern – die eigenen genauso, wie die des Reiters. Das muss einfach nicht sein.

Gegen die Kälte kann man sich prima mit Thermoreithosen  und langer Unterwäsche wappnen. Die Hände bleiben mit den richtigen Handschuhen auch eine Weile warm.

Fazit

Ausreiten gehört für mich einfach zum Reiten dazu. Ich bin mit meinen beiden Pferden mindestens einmal in der Woche im Gelände unterwegs, sofern es die Gesundheit zulässt. Oft gehen wir einfach nur entspannt im Schritt bummeln, manchmal toben wir uns aber auch auf Galoppstecken aus – das hängt ganz von der Stimmung ab.

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1 Gedanke zu “Ausreiten – mit dem Pferd in die Natur – Tipps

  1. Hallo,
    schöner Beitrag 🙂 ich habe jedoch noch 2 Punkte, die ich gerne erwähnen möchte.

    Im gestreckten Galopp über Stoppelfelder, klingt schöner als es enden kann!! 1. sei dir sicher, dass du dein Pferd bremsen kannst, nicht dass dein Pferd vor lauter “rennen” durchgeht.
    2. gehe deine “Galoppstrecke” lieber erstmal im Schritt ab. In den Feldern sind oft Löcher von Hasen, wenn dein Pferd in dieses tritt, kann es für euch beide in einer Katastrophe enden.

    Handy dabei: Handy immer am Mann / an der Frau und nicht in eine Satteltaschen, es bringt dir nämlich nichts, wenn du am Boden liegst und dein Handy wohlbehalten mit dem Pferd über alle Berge ist.

    Nur so als zusätzliche Tipps 😉

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