Blutegel - Schmerzlindernd, entzündungshemmend und entstauend

Von am 04.07.2011

Blutegel sind etwas, vor dem sich die meisten Menschen spontan ekeln. Die kleinen Würmer werden allerdings schon seit Jahrtausenden erfolgreich in der Medizin eingesetzt. Pferden helfen die Egel bei Prellungen, Blutergüssen, Schwellungen und Entzündungen.

Ein medizinischer BlutegelWas sind Blutegel?

Die für die Blutegel-Therapie verwendeten Medizinischen Blutegel (Hirudo medicinalis) sind Würmer die den Großteil ihres Lebens im Wasser verbringen. Sie werden bis zu 15cm lang und 30 Jahre alt. Die Haut der Würmer ist bräunlich bis olivgrün und am Rücken mit roten Strichen gezeichnet. Sie verfügen über ein Maul mit 3 Kiefern und etwa 80 winzigen Kalkzähnen. Der Biss ist Y-förmig. Der Körper ist flach und hat an beiden Enden einen Saugnapf.

Blutegel leben in flachen stehenden Gewässern und benötigen eine sehr hohe Wasserqualität. Ursprünglich gab es Hirudo medicinalis in Europa, Nordafrika und Kleinasien. Durch die Verschmutzung der Gewässer und übertriebene Bejagung zum medizinischen Einsatz im 19. Jahrhundert ist der medizinische Blutegel in Europa fast ausgestorben und wird daher auch vom Washingtoner Artenschutzabkommen geschützt. Zum medizinischen Einsatz bekommt man entweder aus Kleinasien importierte Egel oder in Europa gezüchtete Tiere.

Wie wirken Blutegel?

Die bei der Therapie eingesetzten Blutegel sind hungrig. Sie werden auf die Haut des Pferdes gesetzt und beißen sich dort fest. Dort saugen die Egel bis zum fünffachen ihres Körpergewichtes an Blut auf. das sind dann etwa 30g. Dadurch entsteht eine entstauende Wirkung.

Beim Biss injizieren die Blutegel zusätzlich ihren Speichel, der etwa 20 medizinisch wirksame Stoffe enthält. Der bekannteste Wirkstoff ist Hirudin der blutverdünnend, entzündungshemmend und antibiotisch wirkt. Dazu kommt eine schmerzlindernde Wirkung des Egelspeichels.

Nach dem der Egel etwa 30 bis 60 Minuten lang Blut aus der Wunde gesaugt hat, lässt er sich fallen. Anschließend kann es bis zu 12 Stunden lang zu Nachblutungen kommen. Dadurch wird die Wunde gereinigt und der Stoffwechsel im behandelten Gebiet angeregt. Die Nachblutungen sollten daher nicht gestoppt werden.

Was lässt sich mit Blutegeln behandeln?

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig und beruhen auf den verschiedenen Wirkungen des Egelspeichels:

Entzündungshemmend und schmerzlindernd wirkt die Egelbehandlung bei Arthrose, Spat, Schale, Kissing Spines, Hufrollenproblemen und Sehnenproblemen.

Entstauend und damit schmerzlindernd wirken die Egel bei Hufrehe, Prellungen, Blutergüssen, Druckstellen, Euterentzündungen und Phlegmone.

Nebenwirkungen und Gefahren

Blutegeltherapie beim Pferd

Direkte Nebenwirkungen der Blutegeltherapie sind nicht bekannt. Der Biss selber ist etwa so schmerzhaft, wie ein Insektenstich oder der Kontakt mit einer Brennnessel. Bei Tieren mit einer starken Anämie (Blutarmut) oder einem schlechten Immunsystem sollte aber auf eine Behandlung verzichtet werden. Zudem kann es besonders nach häufigen Egelbissen zu allergischen Reaktionen auf die Blutegel kommen.

Da sich die Blutegel von Blut ernähren besteht immer die Gefahr das sie etwas Blut vom vorherigen Wirt auf den Patienten übertragen. Um das zu verhindern, müssen die medizinischen Egel völlig ausgehungert sein und für mindestens 8 Monate in Quarantäne, wo die Tiere keine Nahrung erhalten.

Blutegel dürfen nicht mehrfach verwendet werden, es sei denn es kann sichergestellt werden, dass sie wieder beim exakt selben Patienten angewendet werden. Das hieße aber, dass die Egel über ein Jahr in einem Extra-Gefäß mit genauer Beschriftung gehalten werden. Meist werden die Egel nach der Behandlung durch Alkohol oder Einfrieren getötet.

Wer bietet Blutegel an?

Blutegel werden meist von ausgebildeten Therapeuten, wie Tierärzten, Tierheilpraktikern oder Physiotherapeuten eingesetzt. Sie bringen die nötigen Blutegel dann auch mit.

Da medizinische Blutegel auch als Arzneimittel zugelassen sind kann man sie als Privatperson über Apotheken beziehen. Als Therapeut bekommt man sie direkt beim Züchter.

Was ist zu beachten?

Blutegel sind ganz im Gegensatz zu Ihrem Ruf ziemlich wählerisch was ihren Blutwirt angeht. Die Stelle an der die Egel beißen sollen, sollte daher schon ein paar Tage vor der Behandlung nicht mit Shampoo gewaschen werden und nicht mit Salben oder Insektenschutz behandelt werden. Auch Desinfektionsmittel mögen die Egel nicht.

Bekommt das Pferd Medikamente, Knoblauch oder Kräuter mit vielen ätherischen Ölen zu fressen, kann es sein, dass die Blutegel nicht beißen. Davon sind auch Kräutermüslis und der häufig verfütterte Ingwer betroffen. Diese Futterzusätze sollten ab etwa eine Woche vor der Behandlung nicht mehr verfüttert werden.

Beißen die Blutegel nicht, kann es helfen die Stelle zu rasieren. Zusätzlich kann man die Tiere durch leichtes betropfen mit kaltem Wasser zum Saugen animieren. Wollen die Würmer gar nicht, kann man die geplante Bissstelle leicht mit einer Kanüle anritzen, um den Appetit anzuregen.

Wir danken der Biebertaler Blutegelzucht GmbH für das Bildmaterial - www.blutegel.de

Aktualisiert am: 04.07.2011


Ihr Kommentar:


Name:



Was tun wen man einen Blutegel am Körpe hat
[Susi | 19.08.2012] Antworten


Der Tipp, die Stelle zu rasieren, sollte dringend gelöscht werden,
oder zumindest gehört der Hinweis dazu, dass man dann auch wirklich
ALLE Haare GRÜNDLICH rasiert, d.h. auf keinem Fall mit der
Schermaschine, sondern mit einem richtigen Rasierer. Das ist
allerdings beim Pferd gar nicht so einfach, da die Haare recht hart
sind. Haarstoppeln mögen die Egel jedoch überhaupt nicht! Besser ist
es, das Haar etwas anzufeuchten, wodurch es sich besser scheiteln
lässt. Der Egel kann dann direkt auf der Haut angesetzt werden.
Am allerbesten überhaupt gelingt das Ansetzen der Egel am sedierten
Pferd, wenn vorher mit einem Skalpell (nicht wie beschrieben mit einer
Kanüle) ein winziger Riss in die Haut gemacht wird. Dafür braucht
man in der Regel die Hilfe eines Tierarztes. Hat man stark riechende
Einreibungen wie beispielsweise Tensolvet u.ä. verwendet, braucht man
mehrere Wochen gar keinen Versuch starten, sie beissen dann mit
Sicherheit nicht!
Laut Arzneimittelgesetz dürfen Blutegel nicht wiederverwendet werden,
auch nicht am gleichen Patienten. Sie sind nach der Verwendung zu
töten.

[Tierarzt | 12.02.2012] Antworten