Pferd gebisslos reiten – darauf sollten Sie achten

Ist ein Pferd im Zahnwechsel, hat es Zahnprobleme oder eine Verletzung im Maul, gilt meist für eine Weile das Motto: Gebisslos reiten. Das Gebissstück würde immer wieder an die wunden Stellen stoßen und dem Pferd damit Schmerzen bereiten. Außerdem würde der ständige Reiz die Heilung verzögern. Daher gilt in dieser Phase: Alternativen suchen.

Gebisslos longieren

Zum Longieren eignet sich ein gut sitzender Kappzaum . Damit hat man auch flottere Pferde ganz gut im Griff und kann das Pferd mit Ausbindern ausbinden, damit es über den Rücken arbeitet. Die Alternative ist es, ohne Ausbinder am Gleichgewicht des Pferdes zu arbeiten.

Brave Pferde können Sie auch mit Halfter longieren. Wichtig ist aber, die Longe   richtig einzuhängen. Auf keinen Fall sollte man die Longe in den Ring unten in der Mitte einhängen, da man dann dem Pferd das Halfter ins Auge zieht. Das ist sehr unangenehm für das Pferd. besser ist es die Longe durch den inneren Ring zu ziehen und unter dem Kinn durchzuführen und im Äusseren Ring einzuhängen. Dadurch hat man eine leichte Zugwirkung und das Halfter verschiebt sich nicht beim Longieren. Ist der Ring zu klein, um die Longe durchzuziehen, eignet sich die in der Grafik dargestellte Methode zum einfädeln. Zum Ausbinden eignet sich ein Stoßzügel, der einfach in den mittleren Ring des Halfters gehängt wird.

Longe ins Halfter einhängen - (Foto: Franziska Goldmann)
Longe ins Halfter einhängen – (Foto: Franziska Goldmann)

Ebenfalls gut geeignet für die Bodenarbeit an einer Longe oder einem langen Führseil ist ein Knotenhalfter . Man sollte dabei jedoch beachten, dass es wirklich gut sitzen muss und relativ scharf wirkt. Ein Knotenhalfter ist die Kandare unter den Halftern. Richtig eingesetzt kann es sehr Hilfreich sein, falsch eingesetzt kann es dem Pferd Schmerzen bereiten und sogar Schaden.

Gebisslos reiten

Wer reiten will, hat eine ganze Auswahl an gebisslosen Zäumungen zur Auswahl. Das geht vom Hackamore  über das merothische Reithalfter, Bitless Bridle  und Glücksrad bis hin zu typischen Westernzäumen wie Bosal und Sidepull. Bei allen diesen Zäumungen gilt: Das Pferd muss erst an die neue Zäumung und deren Wirkungsweise gewöhnt werden. Daher sollte der erste Ritt mit einem solchen gebisslosen Zaum in der Halle oder auf einem sicher eingezäunten Reitplatz stattfinden. Führen Sie das Pferd zuerst und halten Sie es durch Zug am Zügel an. Dadurch lernt das Pferd das neue Gefühl kennen.

Ohne Gebiss lässt sich das Pferd nur schwer stellen und biegen. Bei einigen Zäumungen wie dem Bosal, sind kaum einseitige Zügelhilfen möglich. Als Englischreiter hat man damit meist Probleme. Daher sind das Glücksrad, ein Bitless Bridle oder ein Sidepull besser geeignet. Bei diesen Zäumungen hat man auf jeder Seite einen Zügel und kann in begrenzten Rahmen einseitige Zügelhilfen geben. Das gilt auch für das mechanische Hackamore. Allerdings ist diese Zäumung wegen der langen Anzüge und der oft aus Metall gefertigten Nasenriemen sehr scharf. Mit einer unbedachten Bewegung kann man dem Pferd mit einer solchen Zäumung den Nasenrücken brechen. Daher gehört diese Zäumung nur in wirklich erfahrene Reiterhände.

Nicht alle Pferde lassen sich gut gebisslos reiten. Manche reagieren panisch auf den Druck am Nasenrücken, andere sind büffelig und reagieren gar nicht auf die Zügelhilfen. Ist das der Fall können Sie eine andere Zäumung ausprobieren oder auf Longen- und Bodenarbeit ausweichen.

Reiten Sie Ihr Pferd vorübergehend gebisslos, sollten Sie zu Anfang nur lösende Arbeit machen und das Pferd langsam an die neue Zäumung heranführen. Hochgesteckte Trainignsziele sollten Sie verschieben und die gebisslose Phase hauptsächlich nutzen, um Losgelassenheit, Gehorsam und Durchlässigkeit des Pferdes zu verbessern. Versammlung und Geraderichtung sind ohne Gebiss nur schwer zu erreichen.

Andere Ideen

  • Die Auszeit vom Gebiss kann man auch nutzen, um mal etwas neues anzufangen, zum Beispiel korrektes führen, wie es in der Showmanship gefordert wird. Das klingt leichter, als es ist. Schritt, Trab, Halt und Hinterhandwendungen am Punkt und ohne das Pferd zu berühren. Wer sich nicht selber etwas ausdenken will, findet im Internet viele vorgefertigte Pattern von Westernturnieren.
  • Klickertraining  eignet sich gut dazu, Pferde zu motivieren. Schnell kann man dabei einfache Tricks erarbeiten oder auch praktische Dinge, wie unangebunden stillstehen.
  • Zirkuslektionen bieten auch Abwechslung. Spanischer Schritt, Kompliment, Verbeugen und Co sind nicht nur eine spannende Aufgabe für das Pferd, sondern auch Gymnastik.
  • Lange Spaziergänge im Gelände stärken die Verbindung zum Pferd und erlauben es, knifflige Situationen gemeinsam zu lösen und auch einfach gemeinsam zu entspannen.
  • Antischreck-Training fördert ebenfalls die Bindung zum Pferd und kann sich auch im Späteren Training positiv auswirken. Ideen dafür gibt es in den Anleitungen zur GHP: GHP – Gelassenheit, Vertrauen und gezielter Umgang mit dem Pferd

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