Pferd bandagieren: So geht es richtig

Bandagen sind ein guter Schutz für die Pferdebeine. Sie haben einige Vorteile gegenüber Gamaschen. Wichtig ist aber, dass sie richtig angelegt werden. Lesen Sie hier, wie Sie Ihr Pferd bandagieren.

Bandagen schränken den Lymphfluss im Gewebe ein und verhindern so, dass Abfallstoffe und Giftstoffe aus dem Gewebe abtransportiert werden. Das verhindert dass kleine Verletzungen schnell heilen und kann Bänder und Sehnen so empfindlicher machen. Ist das Pferd nur zum Reiten bandagiert, ist das kein Problem, weil sich das Lymphsystem schnell wieder erholt. Das Pferd sollte aber nur in ganz wenigen Außnahmefällen längerfristig bandagiert werden – zum Beispiel nach einer Verletzung auf Anweisung des Tierarztes.

Wichtig ist, dass Sie immer eine Bandagierunterlage verwenden und nicht zu fest bandagieren. Es sollen keine Druckspitzen entstehen, so dass das Gewebe überall gleichmäßig durchblutet wird. Das früher übliche möglichst feste Bandagieren mit einer Elastikbandage ist eher schädlich fürs Pferdebein, als dass es etwas bringt.

In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, was Bandagen bringen und wie Sie Bandagen richtig anlegen.

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Wann Bandagen oder Gamaschen verwenden?

Springpferd mit Gamaschen - (Foto: Martin Goldmann)
Springpferd mit Gamaschen – (Foto: Martin Goldmann)

Ob man sein Pferd mit Gamaschen, Bandagen oder barfuß reitet ist für viele eine Glaubensfrage. Wenn Sie aber die Füße des Pferdes schützen wollen, ob beim Springen oder wenn das Pferd dazu neigt, sich zu streifen, sollten Sie diese Punkte beachten.

Bandagen sind gut, wenn es darum geht,

  • die Sehnen und Bänder warm zu halten, zum Beispiel bei alten Pferden
  • das Streifen zu verhindern
  • das Pferd elegant aussehen zu lassen
  • empfindliche Pferde zu schützen, da sie gut sauber zu halten sind und nicht scheuern

Außerdem passen Bandagen jedem Pferd.

Die Nachteile der Bandagen sind:

  • Sie saugen sich schnell mit Feuchtigkeit voll und sind dann unangenehm fürs Pferd
  • Sie belasten den Fesselträger zusätzlich
  • Sie zeitaufwendig beim Bandagieren
  • Sie können unter Umständen aufgehen und sind dann sehr gefährlich. Sturzgefahr!
  • Sie können die Durchblutung und den Lymphabfluss behindern

Gamaschen haben auch ihre Stärken:

  • Sie bieten einen guten Schlagschutz zum Beispiel beim Springen
  • Sie sind einfach zu handhaben
  • Sie lassen sich schnell anlegen
  • Sie bergen weniger Gefahren, falls Sie doch einmal rutschen
  • Sie saugen sich nicht so stark voll Wasser

Nachteile der Gamaschen:

  • Sie unterstützen die Sehnen nicht so gut wie Bandagen
  • Sie können Scheuerstellen verursachen, wenn Sie nicht passen
  • einige Pferde vertragen das Material nicht
  • Gamaschen Schränken den Lymph- und Blutfluß ebenfalls ein. Daher sollten Sie nicht länger als Nötig am Pferdebein sein.

Also haben sowohl Bandagen als auch Gamaschen Vor- und Nachteile. Sie müssen also je nach Situation beurteilen, was für Ihr Pferd gerade das richtige ist.

Pferd bandagieren, aber richtig

Nehmen Sie die Bandagierunterlage so, dass die kurze Seite parallel zum Pferdebein ist und legen die Vorderkante so an das Pferdebein, dass sie mit der äußeren Vorderkante des Pferdebeins parallel ist. Bei normalgroßen Bandagierunterlagen liegt die Oberkante direkt unter dem Karpalgelenk oder Sprunggelenk, die Unterkante reicht  etwa bis zur Mitte des Fesselkopfes.

Wickeln Sie die Bandagierunterlage nun von vorne Aussen nach hinten innen um das Pferdebein. Achten Sie darauf, dass die Unterlage faltenfrei liegt.

Bandagierunterlage am Pferdebein - (Foto: Franziska Goldmann)
Bandagierunterlage am Pferdebein – (Foto: Franziska Goldmann)

Nehmen Sie nun die Bandage zur Hand und beginnen Sie oben ebenfalls von vorne außen nach hinten innen die Bandage von oben nach unten um das Pferdebein zu wickeln.

Ansetzen der Bandage - (Foto: Franziska Goldmann)
Ansetzen der Bandage – (Foto: Franziska Goldmann)

Auf dem Weg nach unten wählen Sie dabei einen relativ engen Abstand zwischen den einzelnen Runden, etwa 3-5cm.

Mit engen Abständen nach unten Bandagieren - (Foto: Franziska Goldmann)
Mit engen Abständen nach unten Bandagieren – (Foto: Franziska Goldmann)

Sind Sie bei der Hälfte des Fesselkopfes angelangt, bandagieren Sie wieder nach oben, diesmal mit einem etwas größeren Abstand, etwas 6-8 cm.

Mit größeren Abständen wieder nach oben Bandagieren - (Foto: Franziska Goldmann)
Mit größeren Abständen wieder nach oben Bandagieren – (Foto: Franziska Goldmann)

Mit etwas Übung gelingt es ganz gut die Bandage so einzuteilen, dass sie einmal runter und wieder rauf reicht. Idealerweise liegt die letzte Runde direkt unter dem Karpalgelenk oder Sprunggelenk und die Bandage wird außen geschlossen.

Pferdebein fertig bandagiert - (Foto: Franziska Goldmann)
Pferdebein fertig bandagiert – (Foto: Franziska Goldmann)

An den Hinterbeinen müssen die Abstände etwas größer sein, da die Bandage sonst nicht reicht.

Bein Bandagieren, müssen Sie die Bandage unbedingt fest genug wickeln, damit diese nicht rutscht. Das wäre sehr gefährlich für Pferd und Reiter.

Die Bandage auf jeden Fall sorgfältig verschließen. Die Meisten haben einen Klettverschluss, der unbedingt auf seinem Gegenstück platziert werden sollte.

Die Übergroßen Bandagierunterlagen die gerade in sind stehen oben etwa drei Fingerbreit über das Ende des Röhrbeins über und bedecken unten fast die kompletten Fesseln. Aber Achtung: Sie dürfen nicht so lang sein, dass das Pferd mit einem anderen Huf auf die Unterlage treten kann.

Pferdebein mit übergroßen Bandagierunterlagen - (Foto: Franziska Goldmann)
Pferdebein mit übergroßen Bandagierunterlagen – (Foto: Franziska Goldmann)

Schweif weg zum Bandagieren

Beim Bandagieren der Hinterbeine hängt meistens der Schweif im Weg.

Dieses Problem lässt sich ganz einfach lösen, indem man einen Knoten in den Schweif macht. Den sollte man allerdings nach dem Bandagieren wieder lösen sonst erntet man viele Lacher ;-).

Wann mit Unterlage bandagieren?

Ganz einfach: Immer!

Dabei gilt: Die Unterlage sollte weich und etwas Dicker sein, so dass sie die Druckspitzen die beim Bandagieren immer entstehen ausgleichen kann. Bandagierunterlagen gibt es mit Schaumstoffeinlage, mit Füllwatte und aus Lammfell.

Am besten ist natürlich Lammfell oder ein etwas dickerer Schaumstoff – diese Unterlagen sind jedoch recht Pflegeintensiv.

Die dünnen reinen Baumwoll-Bandagierunterlagen sind ungeeignet, da Sie den Druck nicht verteilen können und durch die immer in gewissen Maße vorhandenen Falten eher noch mehr Druckstellen verursachen.

Bandagen für Pony und Kleinpferd kürzen

Bandagen für Großpferde sind meist drei bis vier Meter lang. Für viele Ponys und kleine Pferde ist das einfach zu lang. Wickeln Sie dann die gesamte Bandage um das Bein, ergibt es ein unförmiges Ei.

Die Lösung sine spezielle Ponybandagen die nur etwa 2 bis 2,5 m lang sind. Wem es zu umständlich ist, solche Bandagen zu kaufen, der kann auch ganz normale Bandagen nehmen und einfach ein Stück abschneiden.

Schneiden Sie von jeder Bandage etwa einen Meter ab. Bei Fleece – und Neoprenbandagen war es das schon, bei Woll- und Elastikbandagen sollten Sie die Enden umnähen, damit sich die Bandage nicht aufribbelt.

Dazu einfach etwa einen Zentimeter umschlagen, das ganze dann noch einmal einschlagen und mit einer Naht sichern. Mit einer Nähmaschine ist das schnell erledigt.

Kaufen Sie Bandagen für ein kleines Pferd oder Pony sollten Sie darauf achten, dass diese nicht zu breit sind. Günstig sind Bandagen die etwa 8 cm breit sind. Damit fällt das Bandagieren leichter.

Für sehr kleine Ponys, zum Beispiel Shettys, reichen Bandagen die 1,5 m lang sind.

Bandagen: Klettverschlüsse zum Waschen schließen

Bandagen werden schnell dreckig. Daher müssen sie oft gewaschen werden.

Fleece- und Wollbandagen lassen sich meist bei 30 Grad Celsius in der Waschmaschine waschen. deutlich schonender für die Bandagen ist diese Reinigung, wenn Sie sie vor dem Waschen schließen. Dann verhängt sich der Klettverschluss nicht in der Bandage und hinterlässt keine aufgerauhten Stellen.

Ein Nebeneffekt ist, dass die Klettverschüsse geschont werden. Da die Häkchen keine Fussel sammeln, halten die Klettverschlüsse länger.

Zum Trocknen sollten Sie die Bandagen möglichts glatt aufhängen. Das erleichtert später das Aufwickeln und das Bandagieren.

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