Das können Sie gegen geschwollene Beine bei Ihrem Pferd unternehmen

Dicke Beine sind nicht selten. Bei vielen Pferden laufen die Beine schnell an: nach dem Transport, bei heißem Wetter, nach einer kleinen Schramme, Stehtagen oder starker Belastung.

Ursachen für Schwellungen

Die Beine schwellen an, weil das Lymphsystem mit dem Abtransport der Lymphe, also des Gewebewassers, nicht mehr nachkommt. Warum das so ist, kann verschiedene Ursachen haben.

Zum einen kann eine akute Entzündng vorliegen. Dann werden die Gefäße durchlässiger und es kommt mehr Wasser ins Gewebe. Das ist so gewünscht, da es wichtig für die Funktion des Immunsystems ist. Zu stark sollte die Schwellung allerdings nicht ausfallen, da sonst die Bewegung eingeschränkt ist und das Gewebe schlechter mit Nährstoffen versorgt wird.

Bei fehlender Muskelaktivität kann das Lymphsystem nur eingeschränkt arbeiten. Dadurch wird der Abtransport verlangsamt und das Wasser sammelt sich in den Beinen. Das passiert zum Beispiel oft bei langen Hängerfahrten oder Stehtagen in der Box.

Wenn etwas die Beine einschnürt, kann es ebenfalls zu Schwellungen kommen. Oft reichen da schon Gamaschen oder Bandagen, die zu lange am Pferdebein sind.

Pferde haben ohnehin ein recht schwaches Lymphsystem. Dieses kann durch Krankheiten, Verletzungen oder falsche Pflege dauerhaft geschädigt werden. Die folge sind chronisch dicke Beine, die immer wieder anschwellen.

Auch Kreislaufprobleme können zu geschwollenen Beinen führen. Kommt das Herz nicht mehr nach mit dem Blutpumpen, kommt es zu einem Rückstau. Um das Problem zu beheben, lagert der Körper einen Teil des Blutes in Form von Wasser aus und das landet auf Grund der Schwerkraft im Bauch und in den Beinen.

Auch manche Allergien, Erkrankungen und Vergiftungen führen zu Schwellungen, die sind aber meist am ganzen Körper vorhanden und nicht nur an den Beinen.

Dicke Beine: Schwellungen beurteilen

Um zu wissen was zu tun ist, ist es wichtig die Ursache der Schwellung einzuschätzen. Dazu fassen Sie die Schwellung an und drücken mit dem Finger darauf.

Ist die Schwellung fest und das Gewebe kommt auch nach längerem Drücken sofort wieder raus, handelt es sich meistens um ein akutes Geschehen. Hier hat der Körper auf Grund einer Entzündung die Schleusen geöfnet. Meistens sind diese Stellen auch warm und räumlich eng umschrieben, also ein Gelenk oder ein bestimmter Bereich am Bein.

Ist die Schwellung eher schwammig und das Gewebe bleibt nach dem Drücken eine Weile eingedellt, handelt es sich um ein sogenanntes Lymphödem. Dabei liegt die eiweißhaltige Gewebsflüssigkeit schon länger im Gewebe. Das heißt, es hat keine akute Ursache sondern eine systemische. Diese Schwellungen sind nicht warm und steigen meistens von unten nach oben am Bein auf. Oft ist auch nur ein Bein betroffen.

Ist eine Schwellung weich, schwabbelig und knistert beim Drücken, ist Luft unter der Haut. Der Bereich hört sich beim Draufklopfen auch an wie eine Trommel. Nach einer Operation kann das normal sein. Tritt es spontan auf oder nach einer Verletzung, sollten Sie den Tierarzt rufen. Denn es handelt sich um einen Gasbrand, der durch mit Clostridien, also bestimmten Bakterien, infizierte Wunden entsteht. Da diese Infektionen sehr aggressiv sind und schnell zum Tode führen, ist hier Eile angesagt. Handelt es sich um eine größere Fläche, lohnt es sich direkt in die Klinik zu fahren, wenn der Tierarzt nicht schnell vor Ort sein kann.

Akute Schwellungen behandeln

Die akuten Schwellungen, wie sie nach Verletzungen oder Insektenstichen entstehen, lassen sich meist relativ gut behandeln.

Der erste Schritt ist, die Stelle herunter zu kühlen. Am Besten geht das mit Wasser. Mehr dazu finden Sie unter: Die richtige Kühlung für jedes Pferd.

Für die längerfristige Therapie, wenn Sie nicht mehr im Stall sind, bieten sich Quark oder Tonerdepasten an. Beides kühlt und zieht gleichzeitig Wasser aus dem Gewebe. Einfach schön dick auftragen und nach dem Trocknen oder am nächsten Tag wieder abwaschen. Achtung! Beide Substanzen haben in offenen Wunden nichts zu suchen!

Unterstützend können Sie homöopathische Arnika- Präparate geben oder die Therapie durch Wacholderbeeren unterstützen. Für ein Großpferd sollten es je nach Stärke der Schwellung 10-20 Beeren am Tag sein, für Ponys nicht mehr als 10. Die Beeren bekommt man im Teeladen oder auch im Supermarkt bei den Gewürzen. Die meisten Pferde fressen die Beeren problemlos mit.

Breitet sich die Schwellung aus, wird heiß oder geht nicht innerhalb von ein paar Tagen zurück, sollte der Tierarzt die Ursache klären und behandeln.

Chronische Schwellungen behandeln

Bei chronischen Schwellungen steht natürlich die Ursachensuche im Vordergrund. Ist klar, dass keine schwerwiegende Erkrankung vorliegt, beziehungsweise wird diese schon behandelt, kann es an die Behandlung gehen.

  • Ausreichend Bewegung unterstützt das Lymphsystem. Dabei muss das keine anstrengende Arbeit sein. Ruhiges Bewegen reicht, das aber möglichst viel und über den Tag verteilt. Neben der Arbeit unter dem Sattel können das zusätzliche Spaziergänge oder Schrittausritte sein. Eine Alternative kann auch die Führmaschine sein. Auch auf der Koppel oder dem Paddock sollten Sie Bewegungsanreize schaffen. Etwa Futter und Wasserstelle trennen oder spielfreudige Gesellschaft beistellen.
  • Die häufig zu sehenden Stallbandagen schädigen das Lymphsystem eher, als das sie ihm helfen, wie Prof. Berens v. Rautenfeld in einer Studie festgestellt hat. Sinnvoller sind spezielle Kompressionsstrümpfe fürs Pferd, die das Bein vom Kronrand an aufwärts mit einem sanften Druck umschließen.
  • Lymphdrainagen und spezielle Putztechniken regen das Lymphsystem an und lösen Ablagerungen. Mittlerweile gibt es ähnlich wie beim Menschen spezielle Lymphtherapeuthen für Pferde. Oft sind das Physiotherapeuthen oder Tierheilpraktiker. Die können die Schwellung gezielt behandeln und Ihnen die passenden Techniken zeigen.
  • Die Fütterung anpassen. Bei vielen Pferden nehmen die Schwellungen zu, wenn sie sehr eiweißhaltiges Futter, wie zum Beispiel Mais bekommen. Versuchen Sie hier mal eine Futterumstellung. Kurweise können Sie den Wasserhaushalt des Pferdes auch mit Kräutern unterstützen, zum Beispiel Wacholderbeeren oder Brennnesseln und Weidenrinde.
Bei dicken Beinen können dem Pferd spezielle Kompressionsstrümpfe helfen.
Bei dicken Beinen können dem Pferd spezielle Kompressionsstrümpfe helfen.

Wer sich näher mit dem Thema Lymphödem beim Pferd beschäftigen möchte, findet in dem Buch von Prof. Berens v. Rautenfeld Lymphologie und Manuelle Lymphdrainage beim Pferd: Indikationen, Therapie, Prävention  sehr viele Informationen. Es ist allerdings ein sehr wissenschaftlich geschriebenes Fachbuch und daher keine leichte Kost.

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