Die Atmung beim Pferd kontrollieren

Die Atemfrequenz eines Pferdes kann sich aus verschiedenen Gründen erhöhen.Überprüft man die Atmung, verrät sie einem viel über die Kondition des Pferdes und kann auch Hinweise auf die verschiedenste Erkrankungen geben.

Meistens wird die Atmung zusammen mit Puls und Temperatur kontrolliert. Man spricht dann von den sogenannten PAT-Werten.Wie Sie den Puls kontrollieren, erfahren Sie in Erste Hilfe: Den Puls beim Pferd kontrollieren.

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Wie zähle ich die Atemzüge?

Am einfachsten lässt sich die Atmung an Hand der Flankenbewegungen beurteilen. Stellen Sie sich schräg neben das Pferd und beobachten Sie die Flanken. Schon bei einer ganz flachen Atmung erkennen Sie die Atemzüge.

Haben Sie Probleme damit, die Bewegung zu erkennen, können Sie auch vorsichtig auf den hinteren Rippenbogen legen und versuchen die Bewegung zu spüren. Hier eine kleine Hilfe dabei, den Rippenbogen zu finden: Basiswissen Pferd: Das Skelett

Die Nüsternbewegungen sind nicht unbedingt aussagekräftig, da sie sich schnell verändern, wenn das Pferd zum Beispiel etwas wittert. Hält man die Hand vor die Nüstern, um die Atmung zu spüren, verändert sich der Atemrhythmus meistens ohnehin, da das Pferd an der Hand schnuppert.

Wählen Sie entweder immer das Einatmen oder das Ausatmen zum Zählen, wobei das Ausatmen meist leichter zu erkennen ist, da das Pferd hier mit der Brustkorbmuskulatur nachhelfen muss.

Zählen Sie am Besten mindestens 20 Sekunden lang die Atemzüge und nehmen Sie den Wert dann Mal drei. Ist die Atmung unregelmäßig, zählen Sie mindestens 1 Minute lang mit.

Tipp: Da es schwierig ist, die Zeit exakt zu stoppen und gleichzeitig auf die Flankenbewegungen zu achten, bitten Sie entweder einen Helfer, die Zeit für Sie zu stoppen oder verwenden Sie die Countdown-Funktion, die mittlerweile fast jedes Handy hat.

Welche Werte sind normal?

Standard-Atemfrequenzen für Pferde

Art der BelastungWert
erwachsenes Großpferd in Ruhe8-16
Pony in Ruhe10-24
neugeborenes Fohlen60-80
Fohlen nach 3-4 Stunden 20-40
erwachsenes Pferd bei leichter Belastung10-30
erwachsenes Pferd bei mittlerer Belastung30-70
erwachsenes Pferd bei starker Belastung50-80 (150)

Ein Großpferd macht in Ruhe etwa 8-16 Atemzüge pro Minute. Bei Kleinpferden  und Ponys kann die Atemfrequenz auf Grund des kleineren Lungenvolumens auch bis zu 24 Atemzüge pro Minute erreichen.

Bei der Arbeit steigt die Atemfrequenz auf 60 bis 80 Atemzüge pro Minute, bei Hochleistung sind bis zu 150 Atemzüge innerhalb einer Minute möglich.

Auch starke Hitze über 30 Grad und Aufregung können eine Erhöhung der Atemfrequenz verursachen.

In Ruhe heißt, das Pferd steht seit mindestens einer Stunde ruhig in der Box. Direkt nach der Belastung liegt die Atemfrequenz deutlich höher. Bei einem gesunden Pferd sollte sich die Atmung jedoch innerhalb von 30 Minuten auf unter 40 Atemzüge pro Minuten beruhigen.

Nicht nur das wie oft zählt, sondern auch das wie

Wenn Sie die Atmung Ihres Pferdes beobachten, achten Sie auch darauf, wie das Pferd atmet. Gerade bei Erkrankungen kann auch die Art der Atemzüge und das dabei entstehende Geräusch einen wichtigen Hinweis auf das vorliegende Problem geben.

In Ruhe saugt ein durchschnittliches Pferd etwa 5 l Luft in seine Lungen. Bei Belastung kann dieser Wert bis auf 15 l pro Atemzug steigern. Kombiniert mit der erhöhten Frequenz kann ein Pferd bei Spitzenleistungen über 200 l Luft pro Minute durch seine Lunge pumpen.

Atmet ein Pferd normal, sollten sich Brustwand und Bauch etwa im gleichen Maße bewegen. Bewegt sich nur die Brustwand und nicht der Bauch ist das ein Hinweis auf Schmerzen im Bauchraum, zum Beispiel eine Kolik oder Darmverschlingung. Bewegt sich nur der Bauch und die Brust nicht, deutet das auf Schmerzen im Bereich der Rippen oder Lunge hin, etwa eine Rippenfellentzündung oder Lungenentzündung. Sind die Rippen nur auf einer Seite unbeweglich, kann das auch ein Rippenbruch oder eine Prellung sein, zum Beispiel nach einem Sturz oder einem Schlag.

Die Einatmung sollte etwas kürzer sein, als die Ausatmung und dazwischen sollte eine kurze Pause liegen. Sind Einatemphase oder Ausatemphase deutlich verlängert, ist das ein Hinweis auf ein Problem.

Die Atemmuskulatur wird bei der normalen Atmung nur minimal beansprucht. Benötigt das Pferd beim Einatmen sehr viel Kraft, ziehen sich die Muskeln in den Rippenzwischenräumen zusammen, so dass die Rippen auch beim normalgewichtigen Pferd zu sehen sind. Benötigt das Pferd sehr viel Kraft zum Ausatmen sieht man das am Bauch. Die Bauchmuskeln ziehen sich stark zusammen. Hält dieser Zustand länger an, entsteht eine sogenannte Dampfrinne am Rippenbogen. Beides sind Alarmzeichen und sollten beim gesunden Pferd nicht auftreten.

Presst das Pferd die Luft mit Kraft aus der Lunge entsteht die sogenannte Dampfrinne - (Foto: Franziska Goldmann)
Presst das Pferd die Luft mit Kraft aus der Lunge entsteht die sogenannte Dampfrinne – (Foto: Franziska Goldmann)

In Ruhe sollten sich die Nüstern beim Atmen nicht blähen. Stellen sich die Nüsternränder auf und die roten Schleimhäute werden sichtbar deutet das auf eine verstärkte Atmung hin.

Atemgeräusche

Das normale Atemgeräusch beim Pferd ist sehr ähnlich wie beim Menschen. Es sollte fast lautlos sein und nur bei Anstrengung zu einem leichten Pfeifen werden. 

Das deutlichste Atemgeräusch ist das Husten. Beobachten Sie, wann der Hustenreiz auftritt und wie sich das Hustengeräusch anhört: trocken, feucht oder keuchend

Hat das Pferd ein deutliches Pfeifen beim Eintatmen, sind wahrscheinlich die Atemwege verlegt. Ist das immer der Fall, deutet das auf Kehlkopfpfeifen hin. Mehr dazu finden Sie unter: Kehlkopfpfeifen

Tritt das Geräusch plötzlich auf oder schon in Ruhe, kann auch ein Fremdkörper in der Luftröhre stecken. Wird das ferd diesen nicht zügig durch Husten oder Nießen los, ist das ein Fall für den Tierarzt. 

Ertönt beim Ausatmen ein pfeifendes Geräusch, deutet das auf eine Verkrampfung der kleineren Luftwege hin, etwa bei Asthma oder einer Allergie. Tritt das zum ersten Mal auf, sollten Sie einen Tierarzt rufen, der dem Pferd Notfall Medikamente gibt. Hat das Pferd öfter solche Anfälle, bekommen Sie entweder selber Medikamnete für den Notfall oder lernen abzuschätzen, wann der Tierarzt notwendig ist. 

Rasselnde Geräusche deuten auf Schleim in der Lunge hin. Der entsteht bei Allergischen Reaktionen oder Infektionen. Beides gehört  behandelt.

Blubbert das Pferd beim Atmen und hat eventuell sogar Schaum an den Nüsterndeutet das auf Flüssigkeiten, wie Blut oder Wasser in den Lungenbläschen hin. Beides gehört da nicht hin und ist ein Hinweis auf ein  dringliches Problem. Bitte rufen SIe in diesem Fall sofort beim Tierarzt an und schildern Sie die Symptome. Wahrscheinlich wird er Sie direkt in die nächste Klinik schicken.

Auch japsende Atmung, bei der das Pferd nach Luft schnappt, ist kein gutes Zeichen. Sie spricht dafür, dass das Pferd um sein Leben kämpft. Hier ist ebenfalls rasche Hilfe nötig.

Sich permanent ändernde Atemtiefe ist ebenfalls kein gutes Zeichen. Atmet das Pferd sehr flach um dann wieder sehr tief einzuatmen, deutet das auf eine Störung im Atemzentrum des Gehirns hin. Ursachen dafür können eine Kopfverletzung, Überhitzung oder bestimmte Giftstoffe sein. 

Beobachten Sie ihr Pferd gut und achten Sie darauf, wann eventuelle Geräusche auftreten, zum Beispiel nur bei Belastung in der Einatmung  oder nur beim Ausatmen. Damit können SIe dem Tierarzt schon viele wichtige Hinweise geben.

Die Atmung als Leistungstest

Die Atmung ist relativ leicht zu beobachten und ein guter Indikator für die Fitness des Pferdes. Daher wird sie unter Anderem bei Distanzritten ermittelt, um festzustellen, wie rasch sich ein Pferd von der Anstrengung erholt. 

Sie können das auch für das eigene Training verwenden. Messen Sie die Atemfrequenz direkt nach der Belastung und danach im Abstand von jeweils 10 Minuten immer wieder. So können Sie ermitteln, wie lang es dauert, bis das Pferd wieder normal atmet. Je schneller der Wert sinkt, desto fitter ist das Pferd. 

Um Vergleichswerte für die Fitness Ihres Pferdes zu haben, sollten Sie diesen Test immer nach einer festgelegten Belastung durchführen, zum Beispiel einer Ausreitstrecke mit immer gleich verteilten Schritt, Trab und Galoppanteilen oder einem standardisierten Programm in der Halle.

Ursachen für eine veränderte Atemfrequenz

Neben den normalen Ursachen für eine beschleunigte Atmung wie Belastung oder eine hohe Außentemperatur, gibt es eine ganze Reihe von nicht so schönen Gründen, die ein Pferd schneller atmen lassen. Hier mal eine kleine Liste mit möglichen Ursachen:

  • starke Schmerzen
  • Lungenentzündung
  • Bronchitis
  • Infekt (mit Fieber)
  • Asthma
  • Allergien
  • COPD
  • Lungenfibrose
  • Herzfehler
  • Herzmuskelentzündung
  • Blutarmut
  • Kehlkopfpfeifen
  • verschluckte Gegenstände
  • Vergiftung

Mein Kommentar

Ein Pferd mit Atemnot ist kein schöner Anblick. Ringt ein Pferd panisch um Atem, kann man leider nicht viel tun, ausser hoffen, dass der verabreichte Sauerstoff und die Medikamente schnell wirken. Leider musste ich schon mal eine halbe Nacht lang zusammen mit dem Tierarzt um das Leben einer alten Stute bangen, die zusätzlich zu ihrem chronischen Husten auch noch eine Allergie bekommen hat. Das war kein schönes Erlebnis, auch wenn sie es zum Glück geschafft hat.

Pferde sind was die Atmung angeht leider sehr leidensfähig. Sie haben eine relativ große Lunge und der Hustenreiz setzt erst verhältnissmäßig spät ein. So kann es sein, dass ein Pferd schon großflächige Schäden an der Lunge hat, bevor es deutliche Symptome zeigt. Daher ist es wichtig, immer mal wieder auf die Atmung zu achten und auch schon kleine Alarmsignale ernst zu nehmen. Ein Huster ist ok, ein Huster bei jedem Antraben sollte schon kontrolliert werden.

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