Dressur: Was ist Versammlung?
Versammlung ist der letzte Punkt der Ausbildungsskala. Das zeigt schon, wie anspruchsvoll diese Aufgabe ist.
Versammlung gibt es in verschiedenen Abstufungen. Schon ab der Klasse L kommen versammelter Trab und versammelter Galopp vor. Je höher die Klasse, desto stärkere Versammlung ist gefragt. Der Gipfel der Versammlung sind Piaffe, Passage und Galopppirouette.
Je versammelter ein Pferd ist, desto mehr Gewicht trägt die Hinterhand. Bei einem ungerittenen Pferd tragen die Vorderbeine ungefähr 70 Prozent des Gewichts. Die Hinterbeine tragen nur etwa 30 Prozent des Gewichts. Sie sind hauptsächlich für den Schub nach vorne zuständig.
Der Reiter, der direkt hinter den Vorderbeinen sitzt, verstärkt die Last auch noch. Da die Vorderbeine gerade aufgebaut sind, tragen die Knochen einen Großteil der Last. Auf Dauer kann das zu Verschleißerscheinungen führen. Die Hinterhand ist im Gegensatz dazu Zickzackförmig aufgebaut. Daher kann das Pferd die Last hier mit Sehnen und Muskeln abfedern. Dadurch werden Knochen und Gelenke entlastet. Die Versammlung dient also auch der Gesunderhaltung des Pferdes und ist für jedes Pferd sinnvoll.
Ziel der Versammlung ist es, dass das Pferd mit der Hinterhand mehr Gewicht aufnimmt. Dazu muss es die Gelenke in der der Hinterhand vermehrt beugen. Die Hüfte muss gekippt werden, Knie und Sprunggelenk werden verstärkt abgewinkelt. Dieses Phänomen nennt man Hankenbiegung.
Durch die Hankenbiegung senkt sich die Kruppe. Da die Vorderbeine als Drehpunkt dienen, heben sich im Gegenzug Hals und Kopf. Das ergibt die Aufrichtung. Das Pferd vermittelt so den Eindruck als ob es Bergauf gehen würde.
In der Versammlung tritt das Pferd mit den Hinterbeinen weiter unter den Bauch. Die Schrittlänge reduziert sich dabei. Das heißt nicht, dass Schwung und Fleiß verloren gehen. Vielmehr verwandelt sich das Bewegungsmuster. Statt nur nach vorne geht die Bewegung nun auch vermehrt nach oben. So wirkt die Bewegung erhabener. Ganz extrem ist das in der Piaffe zu sehen. Hier hebt sich das Pferd nur noch nach oben. Die Vorwärtsbewegung fällt komplett weg.
Als Nebeneffekt muss die Vorhand weniger Gewicht tragen und kann sich daher freier bewegen. Das Pferd bekommt mehr Aktion in der Vorhand. Daher ist die Versammlung auch für die Seitengänge wichtig. Erst wenn das Pferd ausreichend versammelt ist, kann es in Traversalen und anderen Seitengängen mit den Vorderbeinen kreuzen ohne das Gleichgewicht zu verlieren.
Um die Versammlung zu erreichen, reicht es nicht aus, das Pferd mit dem Zügel zusammen zu ziehen und so die Vorwärtsbewegung zu reduzieren. Vielmehr muss das Pferd mit Hilfe von Kreuz und Schenkel dazu aufgefordert werden mit den Hinterbeinen vermehrt unter zu treten und Gewicht aufzunehmen. Damit das klappt müssen alle Punkte der Ausbildungsskala erfüllt sein.
Auch das Pferd muss zuerst einmal lernen, was Sie von ihm erwarten. Das geht besonders gut durch Arbeit an der Longe und der Doppellonge.
Beim Reiten helfen Tempowechsel innerhalb einer Gangart das Pferd zu mehr Aktivität der Hinterhand anzuregen. In engen Wendungen, zum Beispiel beim Zirkel verkleinern, muss sich das Pferd vermehrt setzen, um das Gleichgewicht zu halten. Zu Beginn der Arbeit sollten Sie immer nur ein paar Tritte in der Versammlung fordern. Das Pferd muss erst die dafür nötigen Muskeln bilden. Daher fällt die Versammlung im Laufe der Zeit auch dem Pferd immer leichter.
Das Pferd versammelt sich, wenn es seine Hinterhand wie eine Feder
kürzt und spannt um im nächsten Moment die maximale Schub- oder
Beschleunigungskraft nutzen zu können (z.B. Flucht) Somit ist die
Versammlung ein natürlicher Vorgang. Wir nutzen diese grundsätzliche
Fähigkeit einersteits zur Entlastung der Vorhand und zudem um sich die
gesamte Kraft des Pferdes nutzbar zu machen (Courbette, Kapriole etc.)
Was wirklich schwierig ist, ist die Tatsache dass man niemals über den
Zügel versammeln kann und es doch soviele tun. Gutes Ausbilden braucht
Zeit, Geduld und Disziplin ohne zuviel Ehrgeiz, Zweifel und
Spektakularität und Versammlung wird selten korrekt entwickelt.
[Adriana Ludewig | 12.09.2009]
Antworten
Wie geht des genau mit der Versammlung? welche Hilfengebung muss man
dem Pferd mitteilen!
[Henriette | 06.12.2008]
Antworten
Es besteht offensichtlich ein Widerspruch zwischen der Forderung des
weiteren Vortrittes der Hinterbeine und der Verkürzung der
Trittlänge. Tatsächlich treten die Hinterbeine nicht weiter vor,
sondern sie tragen länger (entsprechende Untersuchungen). In der
Piaffe und der Galopp-Pirouette stimmt der weitere Vortritt.
[weichinger | 30.11.2007]
Antworten
Der Sinn der Versammlung ist wohl, daß die Hinterhand mehr Last
übernimmt. Ich zweifle aber daran, daß es wirklich darum geht, die
"empfindlichere" Vorhand zu entlasten. Siehe hierzu auch Literatur von
Udo Bürger etc.
[Johannes Klaus | 30.09.2007]
Antworten
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