Eine Telefonliste hilft im Notfall

Die meisten Reiter sind maximal zwei Stunden am Tag bei Ihrem Pferd. Den Rest der Zeit ist das Pferd sich selbst überlassen und wird vom Stallpersonal versorgt.

Passiert dem Pferd in dieser Zeit etwas, wollen Sie natürlich möglichst schnell Bescheid wissen. Daher sollten Sie zum einen dem Stallbetreiber Ihre Telefonnummern mitteilen, unter denen Sie erreichbar sind. Neben der Telefonnummer von zu Hause sollten das auch die Nummer von der Arbeitsstelle und die Handynummer sein.

Für den Fall dass Sie einmal tatsächlich nicht erreichbar sein sollten, sollte der Stallbetreiber auch wissen, welcher Tierarzt Ihr Pferd betreut und ob das Pferd wenn es nötig sein sollte in die Klinik soll und wenn ja in welche.

Da kein Stallbetreiber immer da ist, ist es auch sinnvoll, eine Telefonliste anzulegen und an einem für alle Einsteller zugänglichen Ort aufzuhängen. 

Die Telefonliste hilft im Idealfall nicht nur bei Notfällen, sondern auch bei kleinen Missgeschicken wie am Pferd vergessenen Gamaschen oder einer kaputten Decke. Nach einer kurzen Nachfrage kann ein Stallkollege eventuell schnell aushelfen, ansonsten steht das Pferd vielleicht bis zum nächsten Tag im Regen.

Telefonliste mit Telefon im Vordergrund - (Foto: Martin Goldmann)
Telefonliste mit Telefon im Vordergrund – (Foto: Martin Goldmann)
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Was gehört auf die Liste?

Auf der Liste sollten neben dem Namen des Pferdes auch der des Besitzers sowie alle Telefonnummern, unter denen der Besitzer eventuell erreichbar ist. Also Handy, daheim und eventuell Arbeit. Die Nummer von der Arbeit kann man auch mit einem Hinweis versehen, dass diese wirklich nur für den Notfall ist, wenn man am Arbeitsplatz schlecht zu erreichen ist.

Neben den Kontaktdaten des Besitzers ist es auch sinnvoll, den Tierarzt des Vertrauens zu notieren und auch dessen Telefonnummer. Bei offensichtlichen Notfällen kann man dann eventuell schon mal den Tierarzt verständigen, wenn der Besitzer nicht erreichbar ist.

Mein Kommentar

Ich persönlich finde eine funktionierende Stallgemeinschaft sehr wichtig. Dazu gehört auch, dass man die anderen Pferdebesitzer erreichen kann, auch wenn man keinen näheren Kontakt mit ihnen hat. Ich hatte schon so einen Fall. Die trächtige Stute ein paar Boxen weiter hat sich komisch verhalten. Da es Samstag Abend war, war natürlich kein Mensch sonst im Stall, weder die Pferdebesitzerin, die ich in einem Jahr etwa zwei mal gesehen habe, weil wir einfach einen unterschiedlichen  Tagesrhythmus hatten, noch der Stallbesitzer. 

Also habe ich die Pferdebesitzerin angerufen und das Pferd mit Ihrem Einverständnis schon mal geführt. Sie traf dann fast zeitgleich mit dem Tierarzt ein. Zum Glück ließ sich die Verstopfung lösen, bevor Teile des Darms abgestorben sind und Stute und Fohlen haben den Schreck gut überstanden. Eins Stunde später hätte das auch schon anders aussehen können. 

Viele finden diese Vorsichtsmaßnahmen etwas übertrieben. Ich bin froh, dass ich alles mit dem Stallbetreiber abgeklärt hatte, sonst wäre Milka eventuell unreitbar geworden. Meine Stute hat sich nämlich genau den Tag für ihre Verletzung  ausgesucht an dem ich Prüfungen hatte. Das Handy war also aus und ich den ganzen Tag nicht erreichbar, weil die Prüfungen von 8.00-17.00 Uhr gedauert haben. 

Milka hat an diesem Vormittag einen Schlag aufs Sprunggelenk bekommen, und zwar so, dass der Knochen angeschlagen war und die Gelenkkapsel offen. Nachdem der Stallbesitzer mich nicht erreicht hat, hat er meinen Tierarzt verständigt. Der hat geröntgt und befunden, die Verletzung müsste operiert werden. Da Stallbesitzer und Miteinsteller mich immer noch nicht erreichen konnten, hat der Stallbesitzer den Hänger angehängt und Milka in die Klinik verfrachtet. 

Als ich mein Handy nach den Prüfungen wieder eingeschaltet habe, war der Schreck natürlich groß: 35 verpasste Anrufe vom Stallbesitzer und Miteinstellern. Nach ein paar Telefonaten konnte ich aufatmen. Milka stand zu diesem Zeitpunkt schon wieder Heu mümmelnd in der Box in der Klinik.

Wäre Milka bis zum Abend auf der Koppel oder in der Box rumgestanden, bis die Verletzung versorgt worden wäre, hätte das böse ausgehen können. Das Gelenk hätte sich entzünden können und die Knochensplitter die Knorpelflächen verletzen. Beides sind langwierige Erkrankungen, die so vermieden wurden. Daher bin ich den aufmerksamen und hilfsbereiten Menschen in diesem Stall nach wie vor dankbar. 

Für mich ist es auch selbstverständlich, die anderen Pferde aufmerksam anzuschauen, wenn ich durch den Stall oder über die Koppel gehe.

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