Wer beim Pferd nur mit Unterbringungskosten rechnet, begeht einen teuren Fehler!

Wieviel ein Pferd kostet, hängt stark von der Haltungsform und der Gegend ab. In Norddeutschland ist die Pferdehaltung zum Beispiel generell günstiger als in Süddeutschland. In Städten ist es teurer als auf dem Land. Grundsätzlich müssen Sie aber mit 300 bis 600 Euro im Monat rechen

Hier ist eine Aufstellung der Kosten, mit denen Sie rechnen müssen.

Pferd im Stall - im Vordergrund das gerade abgetretene Hufeisen - (Foto: Franziska Goldmann)
Pferd im Stall – im Vordergrund das gerade abgetretene Hufeisen – (Foto: Franziska Goldmann)

Die Unterbringung

Zum einen ist da der Unterhalt für das Pferd. Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Das Pferd in einem Pensionsstall unterstellen oder einen Stall mieten und es in Eigenregie halten.

Mit Vollpension

Die einfachere Version ist, das Pferd in einem Pensionsstall unterzustellen, wo es mit den grundlegenden Dingen versorgt wird. Die Kosten für eine solche Unterbringung schwanken sehr stark, abhängig von gebotenem Service, Ausstattung des Stalls und Gegend.

Meist liegen Sie zwischen 200 und 400 Euro im Monat. Der Pensionsstall hat den Vorteil, dass viele der anfallenden Arbeiten, wie misten, füttern und auf die Koppel bringen und hereinholen vom Stallpersonal übernommen werden. Das spart viel Zeit und gibt dem Pferdebesitzer die Freiheit, sich nicht an einen festen Zeitplan halten zu müssen.

In Eigenregie

Die Alternative zu einem Pensionsstall ist die Haltung in Eigenregie. Dazu braucht man einen Stall und ausreichend Weidefläche mit Wasseranschluß und Stromanschluß. Solche Ställe und Weiden sind nicht einfach zu finden und müssen oft in viel Eigenarbeit hergerichtet werden. Pro Pferd sollte man ungefähr 1-1,5 ha Fläche rechnen.

Neben einem passenden Unterstand muss auch der Zaun pferdegerecht und ausbruchssicher gezogen werden. Dazu kommt das Anlegen von Futterplätzen und Tränken. Es müssen mindestens zwei Weiden oder eine Weide und ein Paddock vorhanden sein, damit die Weideflächen nicht übergrast und zerstört werden.

Zusätzlich ist noch eine durchsickersichere Mistschütte notwendig, auf der der Mist gelagert wird und ausreichend Lagerraum für Futter, Heu und Einstreu.

Sind diese Einrichtungen noch nicht vorhanden, sollte unbedingt geklärt werden, ob sie auf der geplanten Koppel überhaupt gebaut werden dürfen. Je nach Eintragung des Landes kann dies recht kompliziert sein.

Die Pacht für ein solches Grundstück ist von der Gegend, der Nachfrage und der vorhandenen Ausstattung abhängig. Welche Preise in Ihrer Gegend üblich sind, können Sie bei der Kreisverwaltung oder dem Bauernverband erfragen.

Bei einem eigenen Stall müssen Sie mindestens 1,5 Stunden täglich für die anfallenden Arbeiten wie Misten, Füttern und Stallpflege rechnen.

Futter und Einstreu

In Pensionsställen sind die Kosten für Futter, Einstreu und Mistentsorgung meistens
im Pensionspreis enthalten. Selbstversorger müssen selber für diese Dinge sorgen. Zusatzfutter wie Mineralfutter, Mash und Möhren muss der Besitzer eigentlich immer selber kaufen.

Pro Pferd sollte man jeden Tag etwa 10 kg – 15 kg Heu rechen – 100 kg Heu kosten je nach Gegend Verpackungsform und Service um die 10 Euro. Dazu kommen noch die Kosten für die Lieferung.

Was die Einstreu kostet und wieviel benötigt wird hängt vom Stall und der Gegend ab. Bei der Wahl der Einstreu sollten Sie auch die Entsorgung beachten – Strohmist ist meistens günstiger zu entsorgen als Mist mit Sägespänen oder Papier.

Dazu kommen noch die Kosten für das Kraftfutter, die je nach Futterart sehr unterschiedlich sein können. Sie liegen zwischen 20 Cent und 1,5 Euro pro Kilo Futter.

Dazu kommen ein Mineralfutter das meist etwa 10 Euro im Monat kostet und Karotten und Leckerli.

Tierarztkosten

Pferde müssen regelmäßig geimpft werden. Alle 6 Monate sind Herpes und Influenza fällig – diese Impfung kostet etwa 60 Euro. Einmal Im Jahr wird Tollwut geimpft – das kostet etwa 40 Euro und alle 2 Jahre ist Teatnus fällig, das sind noch einmal etwa 20 Euro. (Mehr zur Impfung: Gesundheit: Pferd impfen lassen).

Das Pferd sollte viermal pro Jahr entwurmt werden. Dabei sollten unterschiedliche Präparate zum Einsatz kommen, der Preis schwankt daher. Durchschnittlich sind es aber etwa 15 Euro.

Da Pferde sich immer mal wieder verletzen, eine Infektion bekommen oder Koliken sollte man ein festes Budget für den Tierarzt einplanen. Zwischen 25 und 50 Euro pro Monat sollte man einkalkulieren.

Hufschmied

Pferde müssen regelmäßig zum Hufschmied, egal ob sie beschlagen sind oder nicht. Der Schmied muss etwa alle 8 Wochen die Hufe kontrollieren, ausschneiden und gegebenenfalls neu beschlagen. Bei Barhufpferden kostet das 30 bis 60 Euro, bei beschlagenen Pferden 80 bis 120 Euro.

Drumherum

Zum Reiten und zur Pferdepflege ist viel Ausrüstung notwendig. Da immer mal etwas kaputt geht und ersetzt werden muss, sollten etwa 20 Euro pro Monat für Ausrüstung eingeplant sein.

Das Pferd muss eine Haftpflichtversicherung haben. Die schlägt je nach Deckungssumme und Anbieter mit etwa 90 bis 100 Euro im Jahr zu Buche. (Siehe auch: Darauf sollten Sie beim Abschluss einer Pferdehaftpflicht achten).

Jedes Pferd muss bei der Tierseuchenkasse gemeldet sein. Ja nach Bundesland sind die Tarife unterschiedlich, meist sind das zwischen 2 und 5 Euro im Jahr.

Nicht zu vergessen sind die Kosten für die Fahrt zum Stall. Selbst wenn es nur ein Paar Kilometer sind, kommt da schnell etwas zusammen, wenn man die Strecke täglich fährt.

Rechenbeispiele

Beispielrechnung Pensionsstall:

Boxenmiete 12 x 300 Euro 3600 Euro
Zusatzfutter 12 x 20 Euro 240 Euro
Tierarzt 12 x 30 Euro 360 Euro
Impfungen 170 Euro
Wurmkur 4 x 15 Euro 60 Euro
Hufschmied 6 x 100 Euro 600 Euro
Ausrüstung 12 x 20 Euro 240 Euro
Versicherung 100 Euro
Insgesamt 5470 Euro
monatlich 447,50 Euro

 

Beispielrechnung Eigenregie:

 

Pacht 500 Euro
Heu 500 Euro
Futter 1200 Euro
Einstreu 750 Euro
Mistentsorgung 200 Euro
Strom und Wasser 150 Euro
Koppel- und Stallreperaturen 200 Euro
Tierarzt 12 x 30 Euro 360 Euro
Impfungen 170 Euro
Wurmkuren 4 x 15 Euro 60 Euro
Hufschmied 6 x 100 Euro 600 Euro
Ausrüstung 12x 20 Euro 240 Euro
Versicherung 100 Euro
Insgesamt 5030 Euro
monatlich 419 Euro

 

Bei der Haltung in Eigenregie kommt dazu allerdings noch die viele Arbeit, die man selber leisten muss, wie ausmisten, füttern und auf die Koppel bringen.

Das sind natürlich nur Beispielrechnungen. Wenn Sie Ihre genauen Kosten ermitteln wollen müssen Sie zuerst die in Ihrer Gegend üblichen Preise erfragen. Damit sind allerdings nur die Grundkosten gedeckt. Möchten Sie Unterricht reiten und hin und wieder auf Turnier oder einen Lehrgang fahren, kommen noch weitere Kosten dazu.

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13 Gedanken zu “Wer beim Pferd nur mit Unterbringungskosten rechnet, begeht einen teuren Fehler!

  1. ich finde diesen text äußerst hilfreich, er hat mir selber und meinen freunden sehr geholfen, es ist interessant geschrieben und es fehlt kein einziges detail!!!!!

  2. Totaler Schwachsinn. Alles wird nur vermutet, die Zahlen sind aus der Luft gegriffen und zum Schluss kommt noch eine Berechnung bei der die Haltung in Eigenregie fast soviel kostet wie der Pensionsstall. Aus Erfahrung kenne ich eher, dass der Pensionsstall fast doppelt soviel kostet.

  3. @Chrisi: Dann verrate uns doch mal deine Zahlen. Boxenmiete Pacht undHufschmied sind wie im Text erwähnt sehr regional Unterschiedlich. Ansonsten vergessen die meisten Halter in Eigenregie viele der Kosten und Lügen sich damit in die eigene TAsche.

  4. 10-15k Heu pro Pferd pro Tag ist aber sehr großzügig gerechnet. Klar, je mehr Heu desto besser, aber 7-8 k tuns auch (kommt natürlich auch immer drauf an, was man für ein Pferd/Pony hat)

  5. @Jo: Stimmt, ich habe aber eher großzügig gerechnet. Mit der Menge kommt ein schweres Warmblut gut hin, ein leitfuttriges Pony rollt dann durch die Gegend. 🙂

  6. Also mal ganz ehrlich Stimmen tut der Text nur zur hälfte! Die Kosten sind in jedem Stall/Arzt oder Hufschmied individuell!!!!!!!!!Außerdem muss jeder Halter das Futter und die Menge selbst herausfinden ebenso können sich sportpferde nicht nur von raufutter ernähren.Das beste ist immer noch sich im Reitstall nach Wahl oder im Reitsportfachgeschäft sich zu erkundigen.
    WICHTIG: Jedes Pferd ist ein Individuum und kann nicht mit den Kosten in einer Tabelle festgelegt werden!Was natürlich auch wichtig ist das das Pferd auch mal krank wird oder Dinge wie Halfter oder andere Dinge kaputt gehen können.

  7. Ich find das gar nicht so schlecht gerechnet mit dem Pensionsstall. Ein paar Sachen sind bei mir günstiger aber ansonsten gehts ganz gut aus. Woanders hab ich dafür etwas mehr Ausgaben. Regionale Unterschiede gibts auf jedenfall und die sind leider oft sehr groß… Jeder Besitzer muss für sein Pferd die richtige Mischung finden. Mir haben die Erfahrungen anderer Besitzer sehr geholfen.Wie `Islandpferde´ sagt, jedes Pferd ist ein Individuum das sich nicht in eine Schublade sortieren lässt! Viel Erfolg allen die herausfinden was und wieviel ihr Pferd braucht!

  8. @Islandpferde:*{3.1.2015}: Stimmen tut der Text schon, am Ende wir nämlich extra darauf hingewiesen das dies Beispielsrechnungen sind. Und es natürlich logisch ist das die Kosten varrieren.

  9. endlich! Ich habe so lange danach gesucht, eine Zusammenfassung der monatlichen Kosten! Ich möchte mir schon lange ein Pferd anschaffen aber wusste nie wie viel ungefähr auf mich zukommen würde. Hier ist das sehr plausibel aufgelistet und jetzt kann ich mir das alles gut überlegen. LG

  10. Eine sehr gute Übersicht, denn vielen ist garnicht bewusst, welche Kosten tatsächlich auf einen zukommen. Dieser Artikel wird da ganz sicher eine große Hilfe sein.

  11. Eine sehr schöne Übersicht.
    Was ist aber mit dem Futter gemeint, ich dachte es ist im Heu zur Hälfte drin. So sehen auch nicht Pferdeleute was für Kosten dort noch kommen … eine Reitbeteiligung sieht das meist nicht so.
    Koppel einmal ausmähen lassen 50 Euro bei uns … Heu selbst machen 300-400 Euro für 25 normale Rollen(1,60m). Beim Offenstall benötigt man mehr Heu, da die Pferde es sich selbst nehmen können.

  12. es macht ein Unterschied ob eine reine Pferdepension die alles zukaufen muss oder eine große Landwirtschaft sich einige Boxen einrichtet.
    Das 19% USt. Abzuführen sind ,wird beim Rechnen der Unkosten oft vergessen

  13. Also ich finde die Rechnung sehr gut, mir hat sie sehr viel weiter geholfen.
    Das einzige was ich noch in einem anderen Chatroom gelesen habe war, dass man auch noch ungefähr 300-400€ im Monat zur Seite legen können sollte um nicht in Bedrängnis zu geraten.
    Natürlich sind alles nur wage Rechnungen, aber von anderer Erfahrungswerten und eigenen Recherchen her stimme ich eigentlich ziemlich mit dem überein, was hier steht.

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