Die Piaffe: Trab auf der Stelle

Die Piaffe ist der höchste Grad der Versammlung unter den Schulen auf der Erde. Die Piaffe ist eine Trabbewegung, die so stark versammelt wird, dass keine oder nur noch eine minimale Vorwärtsbewegung zustandekommt.

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Wie sieht eine Piaffe aus?

Das Pferd soll sich für die Piaffe versammeln. Es setzt sich auf die Hinterhand, die weiter unter den Körper tritt. Durch die verstärkte Hankenbiegung richtet sich das Pferd auf.

Durch die starke Versammlung bekommt das Pferd die Vorhand frei und kann die Unterarme bis in die Waagrechte heben. Die Hinterbeine dürfen ihre Aktivität dabei nicht verlieren. Die Hufsohle zeigt weiterhin in Richtung Boden. Die Hinterhufe sollten im selben Takt wie die Vorderbeine bis etwa auf Höhe des Fesselkopfes gehoben werden.

 

Pferd in der Piaffe
Pferd in der Piaffe

Woher stammt die Piaffe?

Die Piaffe ist Teil des natürlichen Bewegungsspektrum des Pferdes. Jeder der schon einmal ein aufgeregtes Pferd geführt hat, kennt diese Bewegung. Das Pferd trabt hoch aufgerichtet und laut schnaubend neben einem auf der Stelle.

Im Zuge des Dressurreitens vor allem im Barock wurde die Piaffe dann als Lektion weiterentwickelt. Als höchster Grad der Versammlung auf der Erde zeigt sie nicht nur, wie gut der Reiter sein Pferd beherrscht, sondern ist auch ein sehr wirkungsvolles Krafttraining für das Pferd. Daher ist die Piaffe meist die Vorstufe für die Schulen über der Erde, wie Levade und Courbette.

Die Reiterhilfen für die Piaffe

Für eine Piaffe muss der Reiter sein Pferd sehr gut an den Hilfen haben. Das Kreuz hält die Spannung im Pferd. Das Reitergewicht ist dabei in der Mitte und der Reiter sitzt tief im Sattel, um das Pferd nicht aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die innere Hand hält das Pferd gerade und erhält die Aufrichtung. Die äußere Hand bremst die Vorwärtsbewegung. Das Pferd darf sich dabei nicht auf die Hand stützen oder fest im Maul werden.

Wie das Bein in der Piaffe treibt, hängt vom Pferd und seiner Ausbildung ab. Meist liegt das Bein etwa eine halbe Handbreit hinter dem Gurt. Dabei wird mit den Beinen im Takt der Tritte abwechselnd getrieben, um die Hinterbeine jeweils zum Abheben zu animieren.

Bei Pferden, die dazu neigen zu schwanken, kann man auch für jeden Tritt mit beiden Beinen gleichzeitig treiben. Wird das Pferd in der Piaffe schief, verwechselt es den nach hinten verlagerten Schenkel mit einem Seitwärtstreibenden Schenkel, das Bein muss also weiter nach vorne.

Am Anfang verwenden viele eine Gerte, um das Pferd damit bei jedem Tritt an der Kruppe anzuticken. Das erleichtert es oft, den Takt zu halten.

Worauf kommt es bei einer guten Piaffe an?

Für eine gute Piaffe muss das Pferd versammelt sein und mit der Hinterhand einen Großteil des Gewichts tragen. Das heißt, die Hanken sind maximal gebeugt und das Pferd ist deutlich aufgerichtet.

Der Takt des Trabes muss erhalten bleiben. Da die Piaffe sehr anstrengend für das Pferd ist, geht der Takt oft verloren. Der Zweitakt verschiebt sich dabei in Richtung Viertakt, weil die Tritte der Hinterbeine deutlich kürzer sind als die der Vorhand.

Die Losgelassenheit muss erhalten bleiben. Die Bewegung soll weiterhin von hinten nach vorne übertragen werden und der Rücken locker mitschwingen. Es ist wichtig, dass die Reiterhand nicht zu stark wird und das Pferd blockiert.

Die Vorwärtstendenz muss erhalten bleiben. Die Piaffe sollte immer eine minimale Vorwärtstendenz haben. Die Regel besagt, das pro Schritt maximal eine Hufbreit vorwärtstreten darf.

Was nicht passieren darf

Absolute Aufrichtung

Das Pferd darf nicht über den Unterhals arbeiten. Kommt das Pferd in eine absolute Aufrichtung, blockiert es den Rücken. Dabei kommt der Schub nicht mehr aus der Hinterhand. Das Pferd hebt zwar die Vorderbeine, benutzt dazu aber den Kopfhalsmuskel.

Ungleichhohe Tritte

Wenn ein Pferd nicht geradegerichtet ist oder nicht ausreichend gymnastiziert, kann es passieren, dass eines der Hinterbeine stärker ist. Das führt dazu, dass das Pferd mit einem Hinterbein größere Schritte macht als das andere. Das führt zu Taktstörungen.

Rückwärtstendenz

Wirkt der Reiter zu stark mit der Hand ein, kann es passieren, dass das Pferd in eine Rückwärtstendenz gerät. Das deutet auf Ausbildungsfehler hin, da sich der Bewegungsablauf verändert und die Versammlung nicht aus dem Vorwärts heraus erreicht wird.

Schwanken

Fängt das Pferd in der Piaffe an, von links nach rechts zu schwanken, ist das ein Zeichen dafür, dass ihm die Kraft fehlt, um diesen Grad der Versammlung zu halten. Als Abhilfe tritt das Pferd mit den Hinterbeinen breiter und springt von einem Bein auf das andere. Hier hilft nur  weitertrainieren und die Muskulatur in der Hinterhand weiter aufbauen.

Nach hinten hinaus treten

Man sieht immer wieder Pferde, die in der Piaffe die Hinterbeine nach hinten heben, statt sie nach vorne unter den Bauch zu ziehen. Das zeigt deutlich, das es sich nicht um eine echte Piaffe handelt, sondern um Gezappel auf der Stelle. Denn ein Pferd das nach hinten hinaus tritt, ist nicht versammelt und geht auch nicht über den Rücken. Damit hat die Piaffe keinen gymnastischen Sinn.

Steigen

Passt das Verhältnis zwischen Hand und vorwärtstreibenden Hilfen nicht, fangen viele Pferde an zu steigen. Im Sinne der Ausbildung zur Hohen Schule ist das durchaus erwünscht, da so die Levade entwickelt wird. In Dressurprüfungen ist das Steigen jedoch unerwünscht und führt dazu, dass die Lektion mit sehr schlechten Noten bewertet wird. Daher sollten Dressurreiter darauf achten immer in einer Vorwärtstendenz zu bleiben. Lieber etwas zu viel Vorwärts als Steigen.

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