Stark blutende Verletzungen versorgen: Wenn viel Blut fließt
Zieht sich ein Pferd eine stark blutende Verletzung zu, sieht das schnell dramatisch aus. Die Verletzung muss aber nicht unbedingt wirklich schwer sein. Wichtig ist auf alle Fälle, dass Sie richtig reagieren.
Schießt das Blut stahlförmig aus der Wunde oder pulsiert immer wieder ein Schwall Blut heraus, sollten Sie unbedingt einen Druckverband anlegen. Dazu brauchen Sie sterile Kompressen, ein Verbandspäckchen oder eine verpackte Mullbinde und eine Binde oder Bandage zum Fixieren. Diese Materialien finden Sie in jedem Autoverbandskasten. Sie sollten aber auch in jeder Stallapotheke zu finden sein.
Und so legen Sie den Verband an. Legen Sie vorsichtig die sterile Kompresse auf die Wunde. Dabei sollten möglichst wenige Keime an die Kompresse kommen. Darauf platzieren Sie das noch geschlossene Verbandspäckchen oder die Mullbinde. Das ganze wickeln Sie mit einer elastischen Bandage, einer Fixierbinde oder auch einer Mullbinde relativ straff fest. Eventuell ist eine Hilfsperson, die den Verband festhält, sinnvoll.
Das Verbandspäckchen dient dabei als Druckpolster. Es soll die verletzten Blutgefäße zusammendrücken und so die Blutung stoppen. Diesen Druckverband lassen Sie drauf, bis der Tierarzt kommt. Blutet er durch, wickeln Sie einfach einen weiteren Verband etwas straffer darüber.
Ist die Verletzung an einer Stelle, an der Sie keinen Druckverband anlegen können, legen Sie ebenfalls eine sterile Kompresse auf die Wunde und ein Verbandspäckchen als Druckpolster darauf. Dann nehmen Sie ein Handtuch, einen Schal oder etwas ähnliches, falten es zusammen und legen es auf das Druckpolster. Darauf können Sie nun mit der Hand drücken, um die Blutung zu stoppen, bis Hilfe kommt.
Handelt es sich um eine klaffende, blutende Wunde, bei der kein Blut spritzt, ist ein Druckverband nicht nötig. Sie sollten so eine Wunde nicht reinigen, sondern lediglich steril abdecken. Meist kommen solche Wunden an Stellen mit nur wenig Fleisch unter der Haut vor. Es handelt sich um Platzwunden. Die bluten stark, sind meist aber nicht dramatisch. Sie sollten jedoch trotzdem rasch den Tierarzt rufen, da eine solche Wunde meist genäht werden muss. Daher sollten Sie auch auf das Auswaschen oder desinfizieren verzichten. Der Tierarzt kann die Wundränder dann besser miteinander vernähen.
Weg hängende Hautlappen sollten Sie ebenfalls nicht reinigen, sondern lediglich steril abdecken und möglichst rasch von einem Tierarzt nähen lassen.
Handelt es sich um Stichwunden, ist eine Versorgung durch den Tierarzt ebenfalls ratsam, da sich solche Wunden sehr leicht entzünden. Befindet sich der Fremdkörper noch in der Wunde, sollten Sie diesen nach Möglichkeit nicht entfernen, sondern so umpolstern, dass er sich nicht weiter bewegen kann. Der Tierarzt hat es dann leichter die Wunde richtig zu versorgen. Oft treten auch plötzlich heftige Blutungen auf, wenn Sie einen Fremdkörper entfernen. Der Tierarzt kann darauf besser reagieren.
Verliert ein Pferd viel Blut, ist auch immer der Kreislauf in Gefahr. Daher sollten Sie das Pferd warm halten und nicht in der prallen Sonne stehen lassen. Wie es um den Kreislauf steht, verrät Ihnen ein einfacher Test. Heben Sie die Oberlippe des Pferdes an und betrachten Sie die Schleimhäute. Sie sollten rosig sein. Nehmen Sie nun einen Finger und drücken Sie drei Sekunden lang fest auf das Zahnfleisch. Nehmen Sie nun den Finger weg, sehen Sie einen weißen Fleck. Dieser Fleck sollte innerhalb von ein bis zwei Sekunden wieder rosig werden. Dauert es länger, hat das Pferd bereits einen schwachen Kreislauf.
Es dauert allerdings relativ lang, bis ein Pferd eine lebensbedrohliche Menge an Blut verloren hat. Ein ausgewachsenes Großpferd kann etwa zehn Liter Blut verlieren, bevor es in Lebensgefahr gerät. Bei Ponys und Fohlen ist die Menge entsprechend kleiner. Blut sieht allerdings schnell nach viel aus, da es stark färbt. Ein Liter Blut, verwandelt die Stallgasse in ein Schlachthaus, ohne das dem Pferd wirklich Gefahr droht. Haben Sie die Möglichkeit das verlorene Blut in einem Gefäß aufzufangen, haben Sie einen besseren Überblick über die verlorene Menge.
Stark blutende Wunden sind aber auf jeden Fall ein Grund den Tierarzt zu rufen. Egal, ob er die Blutung stillen muss, die Wunde näht oder versorgt, sein Besuch ist auf jeden Fall wichtig und sinnvoll. Denn wenn eine Wunde stark blutet, ist auf jeden Fall mehr als nur die oberste Hautschicht zerstört. Das kann zu bösen Infektionen und schlechter Heilung führen, wenn die Wunde nicht richtig versorgt wird.
Mein Schimmel hatte vor einigen wochen eine super fiese etwa 6-7cm
lange klaffende wunde am vorderbein. leider hab ich die wunde erst
abends gesehen, wo sie schon völlig abgetrocknet und verkrustet war.
da mein schimmel in offenstallhaltung steht hatte ich natürlich angst,
dass zu viele keime in die wunde getreten sind (auch fliegen!) so habe
ich die wunde erstmal mit kaltem wasser wieder eingeweicht und
anschließend blauspray drauf gemacht. die nächsten 2 tage sah die
wunde gut aus. sie war trocken und geschlossen. ich habe sie weiterhin
mit blauspray desinfiziert. naja, nach 3 tagen allerdings lief der
eiter aus wunde. schöne scheiße hab ich mir gedacht. der tierarzt kam
noch am selben abend und hat hautlappen und alle fetzen weggeschnitten
und die wunde regelrecht ausgescharbt. im endeffekt hat mich der
schnitt 210€ gekostet. ich denke ich wäre günstiger dabei weggekommen,
wenn ich sofort den tierarzt geholt hätte! so hätte es vielleicht noch
genäht werden können (was ich kaum glaube, da die wunde bereits
verkrustet war, als ich sie bemerkt habe) und lediglich eine kleine
narbe wäre zurück geblieben.-so wird sie wohl auf ewig zu sehen
bleiben. ein weiter schönheitsfehler! dank der schnellen hilfe meines
tierarztes und der nicht all zu aggressiven viren, die auf das
einfache antibiotika angeschlagen haben, benötigt die einst wiederlich
aussehende wunde nur noch 1x am tag etwas zinksalbe.
dank dieses artikels und der erfahrung mit der schnittverletzung weiß
ich, dass ich in zukunft die finger davon lasse und sofort den
tierarzt hole!
Die artikel hier sind wirklich sehr ausfürlich, verständlich und
anscheulich geschriben! SEHR GUT!
[Kerstin | 20.09.2008]
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