Wieviele Galoppsprünge reite ich zwischen zwei Hindernissen? Hilfestellung für das Einschätzen von Hindernisfolgen

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Kombinationen und Distanzen sind meist eine Klippe im Parcours. Hier kommt es normalerweise zu den meisten Abwürfen und Verweigerungen. Daher sollten Sie die Hindernisfolgen im Training häufig üben.

Wie groß ist der Abstand überhaupt?

Um auf dem Turnier zu wissen, wie Sie eine Kombination oder Distanz reiten müssen, sollten Sie den Abstand zwischen den Hindernissen messen. Am einfachsten geht das mit Messschritten.

Am besten üben Sie diese Messschritte, indem Sie sich eine 3m-Stange auf den Boden legen und üben, die Länge der Stange in drei gleichgroße Schritte zu unterteilen. (Normalerweise gibt es Springstangen in den Längen 3m und 4m. In der Halle kommen in der Regel 3m-Stangen zum Einsatz, draußen 4m-Stangen)

Im Training sollten Sie Kombinationen und Distanzen immer wieder abgehen und anschließend mit dem Maßband nachmessen. Das ist zwar etwas aufwendig, schult aber die eigene Einschätzung.

Zwischen den Sprüngen
Zwischen den Sprüngen

Kombinationen sind Hindernisfolgen, bei denen ein oder zwei Galoppsprünge zwischen den Sprüngen liegen, bei Distanzen sind es drei bis sechs Galoppsprünge.

Was ist der normale Abstand?

Als Faustregel für den normalen Abstand gilt:

Höhe Einsprung + Höhe Aussprung + (3,5 x Anzahl der Galoppsprünge)

Das kann zum Beispiel so aussehen:

Der Einsprung ist 1,15m hoch und der Aussprung 1,20m. Dazwischen liegen zwei Galoppsprünge.

Die Rechnung sieht dann so aus:

1,15 m + 1,20 m + 2 x 3,5 m = 9,35m

Die vereinfachte Formel rechnet je 1,5 m für Ein- und Aussprung.

Die genauen Abmessungen hängen aber auch von der Art der Hindernisse ab. Bei einem Oxer liegt der Absprungpunkt näher am Hinderniss als bei einem Stilsprung, bei eine Trippelbarre liegt der Absprungpunkt noch näher am Hinderniss, je nachdem Wie hoch der erste Hindernisteil ist kann er sogar bis auf 50 cm an das Hinderniss heranrutschen. 

So empfiehlt die FN bei einer zweifachen Kombination mit zwei Steilsprüngen einen Abstand zwischen 7,6m und 8m. Wird der hintere Sprung durch eine Tripplebarre ersetzt sinkt der Abstand auf 7,10m bis 7,40 m.

Der Landepunkt rutscht bei Oxer und Tripplebarre als Einsprung etwas näher an das Hindernis heran. Das macht aber je nach Höhe und Weite nur etwa 10-20 cm aus. 

Achtung: Ab Klasse L stehen die Kombinationen und Distanzen oft nicht ganz passend. Der Parcoursbauer erhöht die Schwierigkeit, indem er vom Reiter verlangt, das Pferd zwischen den Hindernissen vermehrt vorwärts zu schicken oder zurückzunehmen.

Richtwerte für Hindernisabstände laut der FEI (Internationaler Reitsportverband):

Kombinationen:

1 Galoppsprung: 7,10m – 8m

2 Galoppsprünge: 10,40m – 11m

Distanzen:

3 Galoppsprünge: 14,30m – 15m

4 Galoppsprünge: 17,90m – 18,60 m

5 Galoppsprünge: 21,50m – 22,50m

6 Galoppsprünge: 25,00m – 26,00m

7 Galoppsprünge: 28,50m – 29,50m

 

Passt die Faustregel für mein Pferd?

Im Training haben Sie sicher schon festgestellt, wie groß der Galoppsprung Ihres Pferdes ist. Hat das Pferd oder Pony einen kleinen Galoppsprung, rechnen Sie besser mit 3m pro Galoppsprung, bei Pferden mit einem sehr großen Galoppsprung sind 4m realistischer.

Sind Sie sich nicht sicher, wie groß der Galoppsprung ihres Pferdes ist, ermitteln Sie das mit Hilfe von zwei oder drei Stangen. Legen Sie diese als Galoppstangen mit je 3,5 m Abstand auf den Boden. Reiten Sie die Stangen nun in einem zügigen Arbeitsgalopp an. Beobachten Sie, wie Ihr Pferd reagiert. Muss es sich strecken, ist der Abstand zu weit, muss das Pferd sich zurücknehmen ist der Abstand zu gering.

Passen Sie nun den Abstand der Stangen so lange an, bis das Pferd ohne Taktänderung über die Stangen galoppieren kann. Jetzt wissen Sie anhand des Stangenabstands, wie groß der Galoppsprung Ihres Pferdes im Parcours ist.

Abstände passend machen

Meist wird der Abstand der Hindernisse im Parcours nicht ganz genau zu Ihrem Pferd passen. Sie müssen sich dann entscheiden, ob Sie vorwärts reiten und einen Galoppsprung weniger machen oder zurück reiten und einen Galoppsprung mehr reiten.

Beispiel: Mein Pferd hat einen Galoppsprung von 3,20 m Länge. Die Kombination auf 2 Galoppsprünge im Parcours steht auf 10,70 m. Von diesem Abstand ziehen wir nun 3m  für Ein- und Aussprung ab. Bleiben 7,70m übrig. Mein Pferd braucht für die zwei Galoppsprünge aber nur 6,4m. Ich muss also 1,3m Unterschied ausgleichen.

Weg 1

Ich vergrößere den Galoppsprung so, dass ich die Strecke mit zwei Galoppsprüngen schaffe – ein Galoppsprung muss in diesem Fall etwa 3,85m lang werden.

Weg 2

Ich schiebe mein Pferd zusammen und reite drei Galoppsprünge. In unserem Beispiel muss ich den einzelnen Galoppsprung dafür auf 2,56m verkürzen. 

Grundsätzlich ist der Weg besser, bei dem Sie Ihr Pferd weniger aus dem Rhythmus bringen.

Üben Sie im Training, wie gut Sie mit Ihrem Pferd Galoppsprünge verlängern und verkürzen können. Am besten geht das mit Stangen oder niedrigen Hindernissen, etwa einem Cavaletti. Probieren Sie viele verschiedene Abstände aus und testen Sie, was Ihrem Pferd besser liegt: Vorwärtsreiten oder versammeln.

Im Zweifelsfall ist es meist sicherer, zurück zu reiten und zu riskieren, dass das Pferd etwas zu nah ans Hindernis kommt. Viele Pferde zögern, auf dem Turnier groß abzuspringen und verweigern in solchen Situationen gerne einmal. Dabei darf aber nicht die Spannung im Pferd verloren gehen.

Wer in einem Fehlerzeitspringen gewinnen will, muss aber eher die Tendenz nach vorne suchen, also die Galoppsprünge eher vergrößern – allerdings nur soweit, dass die Wendungen hinterher noch klappen und alle Stangen liegenbleiben.

Der richtige Weg für das jeweilige Pferd ist also Erfahrungssache und liegt im Gefühl des Reiters. Es hängt ja auch von der Tagesform und dem Gruselfaktor des Hindernisses ab, in wie weit sich das Pferd schicken oder zurücknehmen lässt.

Mein Kommentar

Nicht immer lässt sich ein Parcours nach Schema F reiten. Das macht das Springreiten ja gerade spannend. Ich habe mir beim Abgehen überlegt, dass ich die Distanz ganz ruhig mit 5 Galoppsprüngen reite, aber mein Pferd ist an diesem Tag aufgezogen und hat Hummeln im Hintern. Um es passend für fünf Galoppsprünge in die Distanz zu bringen, steht also eine Disskusion ins Haus –  vielleicht sind vier Galoppsprünge dann doch besser?  Oder der Boden ist rutschig – vielleicht ist der versammelte Weg besser als zügig reiten und riskieren, dass das Pferd ins Rutschen gerät.

Genau diese Entscheidungen machen meist den Unterschied zwischen Abwurf und Null-Runde aus. Ich finde es spannend, den Reitern im Parcours auf die Finger zu schauen. Welcher Reiter entscheidet sich wie? Wer reitet vorwärts, wer setzt auf mehr Kontrolle und engere Wendungen? Das ist für mich die Faszination beim Springen und die große Kunst eines Reiters. Ob im Endeffekt eine Stange fällt oder nicht, ist oft reine Glückssache oder eine Frage des Pferdes.

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