Passt der Sattel? Die Gurtstrippen
Der Sattel muss nicht nur gut auf dem Pferd liegen, sondern in der Bewegung auch dort bleiben, wo er hingehört. Dafür sind der Sattelgurt und die Gurtstrippen verantwortlich.
Die Gurtstrippen schaffen die Verbindung zwischen Sattel und Sattelgurt und sind direkt am Sattelbaum befestigt. Es gibt im Prinzip zwei Varianten: Lange Gurtstrippen, die mit einem kurzen Gurt kombiniert werden und kurze Gurtstrippen für einen Langgurt.
Lange Gurtstrippen
Bei langen Gurtstrippen liegen die Schnallen des Sattelgurtes nicht zwischen den Sattelblättern, sondern direkt auf dem Pferd. Das hat den Vorteil, dass die beiden Sattelblätter direkt aufeinander liegen und der Kontakt zum Pferd enger ist. Deshalb sind die langen Gurtstrippen bei Dressursätteln sehr beliebt.
Der Nachteil der langen Strippen ist, dass die Schnallen des Sattelgurtes meist auf Höhe des Ellenbogens liegen. Bei Pferden mit einer schmalen Gurtlage kann das dazu führen, dass das Pferd bei jedem Schritt mit dem Ellenbogenhöcker an die Schnallen stößt. Das kann zu Reizungen und Scheuerstellen führen.
Von den langen Gurtstrippen haben die meisten Sättel nur zwei, die fest positioniert sind. Manchmal hat die hintere Gurtstrippe auch eine ypsilonförmige Aufhängung, um den Druck besser zu verteilen.
Kurze Gurtstrippen
Früher hatten fast alle Sättel die kurzen Gurtstrippen, bei denen die Schnallen des Sattelgurtes zwischen den Sattelblättern liegen. Üblicherweise sind drei Gurtstrippen vorhanden. Dabei ist die dritte Gurtstrippe keine Ersatzstrippe, sondern dient dazu den Schwerpunkt des Sattels zu korrigieren. Das kommt noch aus der Zeit, als ein Sattel für mehrere Pferde verwendet wurde.
Liegt der Sattel gut vom Schwerpunkt her, verwendet man die beiden äußeren Gurtstrippen und lässt die mittlere frei. Gurtet man an den beiden vorderen Strippen zieht man den Schwerpunkt des Sattels etwas nach vorne, mit den hinteren beiden Strippen wandert der Schwerpunkt nach hinten. Diese Korrektur ist natürlich nur minimal und ersetzt nicht einen gut passenden Sattel. Sie kann aber bei vorübergehenden Veränderungen des Pferdes sehr hilfreich sein.
Die kurzen Gurtstrippen haben den Nachteil, das sie zwischen Reiterbein und Pferd liegen, daher wird der Abstand größer, was feines Reiten etwas erschwert. Zusätzlich muss man das Bein vor den Sattel legen, um vom Pferd aus nachzugurten. Damit ist der Sitz in diesem Moment recht unsicher.
Vorgurtstrippen
Gerade bei Dressursätteln sind in letzter Zeit so genannte Vorgurtstrippen modern. Dabei ist die vordere Gurtstrippe nach vorne verlagert und an der vorderen Pausche befestigt. Das bewirkt, dass die Vorderkante des Sattels deutlich fester am Pferd liegt und der Sattel nicht so leicht nach vorne rutscht.
Die Vorgurtstrippen sind an sich nicht schlecht, bergen allerdings Probleme bei Pferden mit einer großen oder sehr aktiven Schulter. Hat die Schulter vor dem Sattel nicht genügend Platz, um sich frei zu bewegen, stößt sie bei jedem Schritt an den Sattel. Ist die Vorderkante nun noch einmal extra fest gezurrt, kann die Schulter gar nicht mehr unter das Sattelblatt gleiten und die Pferde fangen oft an gebunden zu laufen, um den Schmerz zu vermeiden.
Sattler kann Strippen anpassen
Die Gurtstrippen gehören zu den Teilen des Sattels, die sich oft mit recht geringem Aufwand anpassen lassen. So lassen sich aus langen Strippen meist kurze Strippen machen und Vorgurtstrippen lassen sich oft nach hinten versetzen.
Diese Arbeiten kann ein Sattler vornehmen, um einen an sonsten gut sitzenden Sattel anzupassen.
Wie sollten Gurtstrippen liegen?
Die Gurtstrippen sollten gerade nach unten hängen, wenn der Sattel ohne Gurt auf dem Pferd liegt. Zeigen sie nach vorne oder hinten, wird die Druckverteilung nach dem Gurten nicht stimmen und der Sattel in diese Richtung rutschen.
Die Gurtstrippen sollten auch unbedingt in der natürlichen Gurtlage des Pferdes liegen, wenn der Sattel am richtigen Platz liegt. Denn kommt der Sattelgurt nicht an der schmalsten Stelle des Brustkorbs, etwa eine Handbreit hinter dem Ellenbogenhöcker, zum liegen, wird er sich spätestens in der Bewegung auf Wanderschaft begeben. Daher wird der Sattel dann immer rutschen. Ist der Sattel verrutscht, drückt er das Pferd meistens und führt zu Unwillen.
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