Passt der Sattel? Ist der Sattel gerade?
Damit das Pferd im Gleichgewicht laufen kann, muss auch der Reiter im Gleichgewicht sitzen. Das geht allerdings nur, wenn der Sattel gerade ist.
Es gibt mehrere Möglichkeiten, warum ein Sattel schief liegt: Entweder das Pferd ist schief, der Sattelbaum ist schief oder die Polster sind unterschiedlich hoch.
Schiefer Sattelbaum
Der Sattelbaum ist der Kern des Sattels, der ihn in Form hält. Sattelbäume können aus unterschiedlichen Materialien gefertigt werden, etwa Plastik, Holz oder Stahl. Oft werden auch verschiedene Materialien kombiniert.
Gebrochener Sattelbaum
Der schlimmste Fall ist ein gebrochener Sattelbaum. Ist ein Teil des Baums gebrochen, kann sich die ganze Konstruktion in sich verwinden. Da das Leder den Sattel recht fest zusammen hält und den ganzen Baum bedeckt, fällt ein gebrochener Sattelbaum oft nicht sofort auf.
Der Sattel ist aber in sich nicht mehr stabil und das hintere Ende lässt sich meist relativ leicht gegen das vordere verdrehen. Beim aufmerksamen Abtasten kann man häufig den Bruch spüren.
Sattelbäume brechen entweder aufgrund einen Produktionsfehlers, oder durch rohe Gewalt - etwa bei einem Sturz, wenn das Pferd darauf fällt oder wenn der Sattel aus großer Höhe herunter fällt. Bei Kunststoffsattelbäumen der ersten Generation kann es auch zu Ermüdungsbrüchen kommen, das ist aber eher selten.
Verzogener Sattelbaum
Ist der Sattelbaum an sich schief, kann der darauf aufgebaute Sattel gar nicht mehr gerade und im Gleichgewicht sein. Daher ist es wichtig, den Baum regelmäßig zu checken.
Schiefe Sattelbäume können viele Ursachen haben. Zum einen kann bei der Produktion etwas schief gelaufen sein, so dass die Form von Anfang an nicht stimmt. Es kann auch ein Sattler schuld sein, der beim ändern der Kammerweite nicht sorgfältig gearbeitet hat.
Ein Sattel kann sich auch durch falsche Lagerung verziehen. Hängt der Sattel auf einem schiefen Sattelständer und wird so immer nur einseitig belastet, kann er sich mit der Zeit verziehen. Gerade bei thermoelastischen Sattelbäumen ist es auch wichtig beim Transport darauf zu achten, dass der Sattel gerade gelagert ist. Besonders bei den hohen Temperaturen im Sommer kann es sonst zu ungewollten Anpassungen kommen.
Die häufigste Ursache für verzogene Sattelbäume dürfte jedoch das Aufsteigen sein. Beim Aufsteigen vom Boden aus, kommen hohe Zugkräfte auf eine Seite des Sattels. Im Laufe der Zeit hinterlässt das seine Spuren am Sattel.
Schiefe Polster
Oft ist nicht der Baum schief, sondern lediglich die Polsterung des Sattels ungleich. Manchmal ist das Absicht, um eine ungleiche Bemuskelung beim Pferd auszugleichen und manchmal passiert es versehentlich oder durch Abnutzung.
Ist der Sattel zum Beispiel auf einem schiefen Sattelständer gelagert, kann sich das Polster auf der einen Seite stärker zusammen drücken als auf der anderen.
Manchmal drückt auch ein dauerhaft schief sitzender Reiter das Polster einseitig stärker zusammen.
Es kann auch passieren, das die Polster ungleich angenäht sind. Da Sättel zum großen Teil in Handarbeit hergestellt sind, sind sie nicht immer genau symetrisch.
Schiefes Pferd
Auch Pferde sind nie genau symmetrisch. Wie alle Lebewesen haben auch Pferde ihre starke und ihre Schwache Seite, leiden unter den Folgen von Unfällen und Fehlstellungen oder werden vom Reiter auf seiner Lieblingsseite mehr trainiert. Die Folge sind unterschiedlich entwickelte Muskeln, die einen Sattel aus dem Gleichgewicht bringen.
Bei den meisten Pferden sind die Unterschiede so minimal, dass sie kaum auffallen, aber bei jungen Pferden, nach einem Unfall oder schwereren Krankheiten, kann es sein, dass der Sattel speziell an die Schiefe angepasst werden muss.
Ist der Sattel gerade?
Für diese Tests sollten Sie alle Anbauteile vom Sattel entfernen, also Satteldecke, Sattelgurt und Steigbügel.
Der erste Schritt ist zu überprüfen, ob der Sattel in sich gerade ist. Dazu stellen Sie ihn mit dem Vorderzwiesel auf einen geraden Untergrund und schauen sich von oben die Unterseite des Sattels an. Achen Sie darauf, ob der Wirbelkanal gerade und gleichmäßig ist und ob die Polster auf beiden Seiten den gleichen Winkel haben.
Legen Sie den Sattel anschließend auf einen Sattelbock oder eine dünne Stange. Hängt der Sattel von sich aus gerade? Stellen Sie sich hinter den Sattel und schauen Sie über die Mitte des Hinterzwiesels nach vorne. Sehen Sie die Mitte des Vorderzwiesels? Das ist leichter zu erkennen, wenn sie sich die Mitte von Hinter- und Vorderzwiesel jeweils mit einem Kreidestrich markieren.
Als dritten Schritt halten Sie den Sattel mit einer Hand am Vorderzwiesel gut fest und versuchen mit der anderen Hand den Hinterzwiesel nach links und rechts zu verdrehen. Das sollte in beide Richtungen nur minimal möglich sein. So testen Sie ob der Sattelbaum noch stabil ist.
Liegt der Sattel gerade?
Ist der Sattel an sich gerade, legen Sie ihn aufs Pferd und schauen, ob er auch hier gerade liegt.
Markieren Sie sich die Mitte des Hinterzwiesels. Legen Sie nun den Sattel in der richtigen Position auf das Pferd. Stellen Sie sich nun hinter Ihr Pferd und kontrollieren Sie, ob die Mitte des Hinterzwiesels wirklich über der Wirbelsäule ist. Das Pferd sollte dabei idealerweise gerade stehen und nach vorne schauen.
Als nächstes gurten Sie den Sattel an und nehmen dann ein rundes Leckerli. Legen Sie das Leckerlie so auf den Sattel, das es nach links und rechts rollen kann. Liegt der Sattel gerade auf dem Pferd, sollte das Leckerli auf der Sitzfläche liegenbleiben und nicht immer zu einer Seite herunterrollen.
Den Sattel an ein schiefes Pferd anpassen?
Eine der großen Streitfragen beim Thema schiefer Sattel ist, ob ein Sattel an ein schiefes Pfeerd angepasst werden sollte oder nicht.
Liegt der Sattel schief, weil das Pferd schief ist, sitzt der Reiter auch schief und verstärkt damit die Schiefe des Pferdes. Es ist daher wichtig, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und den Sattel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Was der goldene Weg dazu ist, hängt von der Ursache der Schiefe ab.
Hat das Pferd durchs Alter oder einen Unfall eine dauerhafte Schiefe kann man die Polster des Sattels entsprechend anpassen, so dass der Sattel gerade liegt.
Liegt die Schiefe des Pferdes an der Muskulatur und es ist abzusehen, das sich das Ungleichgewicht durch Training verbessern lässt, ist es sinnvoller durch den Unterbau auszugleichen.
Es gibt zum Beispiel Satteldecken mit Einschubtaschen für Ausgleichspolster. Hier lassen sich auf einer Seite entsprechend dicke Polster einsetzten, so dass der Sattel gerade liegt. Auf diese Weise lässt sich die Dicke der Polster auch immer wieder an den Trainingsstand des Pferdes anpassen, bis der Sattel wieder von allein gerade liegt.
Die Alternative ist ein vom Sattler speziell an die Schiefe des Pferdes angepasste Filzdecke. Die ist auf der einen Seite dicker als auf der anderen und hält des Sattel so gerade. Hier kann der Sattler auch immer wieder Material wegnehmen, wenn die Muskulatur auf der schwächeren Seite zunimmt.
Hinweis






