Pferd mit Spat reiten? Was dabei wichtig ist
Spatpferde dürfen und müssen meist in Absprache mit dem Tierarzt bewegt werden. Die Bewegung ist enorm wichtig, da der Knorpel im Gelenk nicht aktiv mit Nährstoffen versorgt wird. Nur bei Belastung funktioniert der Knorpel wie ein Schwamm, der ausgedrückt wird und sich bei Entlastung mit der nährstoffhaltigen Gelenkflüssigkeit wieder vollsaugt. Daher ist jeder Schritt für ein Spatpferd wichtig, um den Knorpel gut zu ernähren und den Abbau zu verlangsamen.
Für den Reiter ist es oft eine ziemliche Überwindung auf ein steifes, eierndes Pferd zu steigen und oft muss man sich blöde Kommentare von den Mitreitern anhören, wenn das Pferd zu Beginn des Reitens lahmt. Spatpferde brauchen jedoch einfach eine gewisse Zeit, um sich einzulaufen. Diese Zeit muss man ihnen geben.
Wo reitet man am Besten?
Spatpferde sind recht empfindlich, was den Boden angeht, auf dem Sie laufen. Zu harte Böden, wie Asphalt, haben harte Stöße beim Aufhufen zur Folge. Die entzündeten Gelenke mögen das gar nicht. Oft werden die Pferde auf hartem Boden langsamer, wollen gar nicht laufen oder gehen deutlich stärker lahm.
Das andere Extrem, zu tiefer, weicher Boden ist auch schlecht, da das Pferd hier oft schief auftritt. Da die vom Spat betroffenen Gelenke aber dafür zuständig sind solche Unebenheiten auszugleichen, ist das oft schmerzhaft oder nicht mehr möglich. Die Folge sind häufiges stolpern und vertreten. Die Pferde lahmen dann immer wieder für ein paar Tritte deutlich und zeigen oft, dass ihnen der Boden nicht passt.
Unebene und ständig wechselnde Böden haben einen ähnlichen Effekt wie zu tiefe Böden. Da Spatpferd kann sich einfach nicht schnell genug auf die Bodenverhältnisse einstellen und neigt daher zu Fehltritten.
Ideal sind federnde, ebene Böden wie Wiesenwege, Waldwege, und ordentlich gepflegte Reitplätze und Hallen. Oft zeigt das Pferd sehr deutlich, welcher Boden ihm taugt. Ist das Pferd auf einem Untergrund besonders unrund, triebig oder will gar nicht untertreten, liegt es wahrscheinlich am Boden.
Aufwärmen
Gründliches Aufwärmen ist bei Spat Pflicht. Das Mindeste sind 20 Minuten Schritt auf möglichst geraden Linien. Je kälter es ist und je steifer das Pferd ist, desto länger sollte die Aufwärmphase sein. Manche Pferde werden auch besser warm, wenn man sie nach 15 Minuten einen langsamen, ganz reduzierten Trab gehen lässt, ähnlich dem Jog der Westernpferde. Dieser Trab hat fast keine Schwebephase und belastet die Gelenke daher nur wenig, bringt den Kreislauf aber mehr in Schwung als Schritt.
Die Arbeitsphase
Auch danach ist es wichtig, das Pferd richtig zu reiten. Zum Einen sollte das Pferd nicht nur auf der Vorhand latschen, da die schiebenden Hinterbeine den Spat zusätzlich belastet. Das Pferd sollte locker über den Rücken gehen und soweit wie möglich mit den Hinterbeinen unterfußen.
Vermeiden Sie enge Wendungen mit einem unaufgewärmten Pferd. Sehr enge Wendungen, wie Pirouetten und 6m Volten, bei denen Drehbelastungen auf das Hinterbein kommen, sollten generell vermieden werden.
Plötzliche Stopps und Richtungswechsel sind nicht gut, da hierbei oft die Bänder und Gelenkflächen schief belastet werden, wofür sie nicht ausgelegt sind. Daher kommt es schnell zu Mikrotraumen, die den Spat fördern.
Seitengänge in den schwunghaften Gangarten sind kritisch zu sehen, da hierbei Stoßbelastungen auf ein nicht achsengerecht stehendes Bein kommen. Schenkelweichen und Traversalen sollte ein Spatpferd daher nur im Schritt absolvieren.
Alle Übungen, bei denen sich das Pferd um sein stehendes Hinterbein dreht, zum Beispiel der Spin beim Westernreiten sind absolut tabu.
Nicht nur Dressur
Beim Ausreiten sollte man längere Strecken auf hartem Boden vermeiden. Trab und Galopp sollten nur auf ebenem und federnden Boden geritten werden, da ein schiefes Auffußen für Spatpferde sehr schmerzhaft sein kann.
Springen sollten Pferde mit Spat nicht mehr, da in der Absprungphase eine sehr starke Belastung auf die Sprunggelenke kommt. Je nach Zustand des Pferdes und Beweglichkeit der Hinterbeine können Stangenarbeit und Springymnastik bis Cavalettihöhe dem Pferd aber durchaus guttun und es animieren, die Hinterbeine wieder aktiver einzusetzten.
Reiten "nach" dem Spat
Auch wenn der Spat verknöchert ist und das Pferd nicht mehr lahm geht, sollten Sie es mit Bedacht reiten und nicht überfordern. Durch die versteiften Gelenke im Sprunggelenk fehlt dem Pferd ein wichtiger Puffer, um unruhigen Boden und Stoßbelastungen auszugleichen. Sie setzen also schneller kleine Verletzungen und Überlastungen in den übrigen Gelenken des Beins. Das kann zu weiteren Arthrosen führen. Daher gilt auch nach dem Spat: Reiten ja - aber mit Hirn und Verstand.
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