Passt der Sattel? Der richtige Schwerpunkt
Dass der Sattel zum Pferd und zum Reiter passt, ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass es mit dem Reiten klappt. Zwickt der Sattel oder setzt den Reiter schlecht hin, können die Hilfen gar nicht so beim Pferd ankommen, wie das geplant war.
Warum der richtige Schwerpunkt so wichtig ist
Der Sattel muss so auf dem Pferd liegen, dass der Schwerpunkt an der richtigen Stelle ist. Der tiefste Punkt der Sitzfläche sollte in der Mitte des Sattels liegen. So sitzt der Reiter mit seinem Schwerpunkt idealerweise direkt über dem Schwerpunkt des Pferdes und macht es dem Pferd leicht, sich auszubalancieren. Der Schwerpunkt des Pferdes liegt etwa in der Mitte des Brustkorbes auf Höhe des 9. oder 10. Brustwirbels.
Dazu kommt, dass die Aufhängung der Steigbügel an der richtigen Stelle ist, wenn der Sattel in de Balance liegt. Die Steigbügel sollten dann locker so herunterhängen, dass der Absatz des Reiters direkt unter der Hüfte ist, wenn er die Steigbügel aufnimmt.
Liegt der Sattel im Gleichgewicht auf dem Pferd wird auch der Druck des Reiters gleichmäßig über das komplette Sattelkissen verteilt. Dazu kommt, das der Reiter in einem ausbalancierten Sattel die Chance hat sein Becken frei einzurichten und so mit einem geraden Rücken zu sitzen. So gibt der Reiter den Druck gerade nach unten weiter.
Wenn der tiefste Punkt zu weit hinten liegt
Liegt der tiefste Punkt des Sattels zu weit hinten, sitzt auch der Reiter zu weit hinten. Dadurch wandert der Schwerpunkt des Reiters hinter den des Pferdes. Dadurch wird die Rückenmuskulatur anders beansprucht und das Pferd hat es schwerer, sein Gleichgewicht zu finden.
Der Druck des Reitergewichtes rutscht ebenfalls nach hinten, so dass das Hauptgewicht auf den empfindlicheren hinteren Rückenteil liegt - das kann zu Verspannungen führen. Ist der Sattel zusätzlich noch zu lang, bekommt das Pferd recht schnell Schmerzen im Lendenbereich.
Durch den zu weit hintenliegenden Tiefpunkt des Sattels kippt das Becken des Reiters nach hinten. Dazu kommt, dass die Steigbügelaufhängungen für den Sitzpunkt des Reiters zu weit vorne sind - so werden die Beine nach vorne gezogen. Insgesamt setzt der Sattel den Reiter so in einen Stuhlsitz und blockiert das Becken. Daraus resultiert meist eine deutliche Rücklage des Oberkörpers. Das macht einen ausbalancierten Sitz und ein lockeres Mitschwingen unmöglich.
Wenn der tiefste Punkt zu weit vorne liegt
Kippt der Sattel vorne nach unten, rutscht der Reiter mit samt seinem Schwerpunkt nach vorne. Damit kommt mehr Last auf die Vorhand des Pferdes, die ohnehin schon einen Großteil des Gewichtes trägt. Dem Pferd wird es also schwerer gemacht sich hinten zu setzen und zu versammeln. Viele Pferde gleichen das durch ein erhöhtes Tempo aus - sie laufen dem Schwerpunkt hinterher.
Der nach vorne kippende Sattel drückt meist auf die Oberkanten der Schulterblätter und kann dort Knorpel und Knochen reizen. Das ist sehr schmerzhaft für das Pferd.
Der Reiter kann in einem nach vorne kippenden Sattel nicht im Gleichgewicht sitzen. Er wird permanent mit dem Becken nach vorne gekippt. Dadurch kommt vermehrt Druck auf die Oberschenkel und der Reiter wird zum klammern verleitet. Durch die verhältnismäßig zu weit hinten liegende Steigbügelaufhängung werden die Beine zusätzlich nach hinten gezogen. Die Folge ist einen nach vornegekippter, klemmiger Sitz - der Spaltsitz.
Wie erkenne ich ob der Sattel richtig liegt?
Stellen Sie das Pferd gerade hin. Das Pferd sollte auf einer ebenen Fläche stehen und mit allen vier Beinen geschlossen, sonst kann das Bild verfälscht werden. Legen Sie den Sattel nun ohne Satteldecke und Steigbügel auf das Pferd. Schieben Sie den Sattel so weit zurück, das er hinter den Schulterblättern des Pferdes liegt. Testen Sie nun, ob der Sattel stabil liegt und schätzen Sie optisch ab, wo der Schwerpunkt liegt.
Das Leckerlie der Wahrheit
Nehmen Sie nun ein rundes Leckelie und legen Sie es so auf den Sattel das es frei nach vorne und hinten rollen kann. Es wird von alleine an der tiefsten Stelle liegen bleiben. Prüfen Sie nun, ob dieser tiefste Punkt auch in der Mitte des Sattels liegt und mit dem Schwerpunkt des Pferdes übereinstimmt.
Grade bei jungen Pferden und solchen bei denen sich das Training verändert, lohnt es sich übrigens diesen schnellen und einfachen Test öftermal zu machen. Durch Wachstumsschübe und veränderte Muskulatur kann sich die Lage des Sattels schnell verändern.
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