354 Tipps rss | 7 Nutzer online

Hufrolle – Hufrollenentzündung oder Podotrochlose

Der Ausdruck "Hufrolle" lässt viele Pferdebesitzer entsetzt aufhorchen, da dieser Begriff häufig als Kurzform für die Hufrollenentzündung oder –nekrose verwendet wird. Diese Erkrankungen sind leider weit verbreitet und sorgen dafür, dass viele Pferde nicht mehr schmerzfrei laufen können. Dieser Artikel soll ein wenig aufklären und zum Verständnis der Krankheit beitragen.

Erst mal etwas grundsätzliches: Die Hufrolle selbst ist nichts schlimmes, sondern ein Sammelbegriff für anatomische Strukturen, die jedes Pferd viermal hat. Die Hufrolle setzt sich aus dem Strahlbein, dem unteren Ende der tiefen Beugesehne und dem Hufrollenschleimbeutel zusammen. Diese Strukturen spielen zusammen mit dem Strahlkissen eine wichtige Rolle bei der Stoßdämpfung beim Auffußen.

Der Aufbau der Hufrolle

Das was landläufig als Hufrolle bezeichnet wird, heißt eigentlich korrekter Hufrollen-Syndrom. Da die Hufrolle nicht nur eine Struktur ist, fasst dieser Begriff eine ganze Reihe von Erkrankungen zusammen. Die häufigste ist die Hufrollenentzündung, bei der das Gelenk zwischen Hufbein, Kronbein und Strahlbein oder der Hufrollenschleimbeutel entzündet sind. Diese Entzündung verursacht dem Pferd beim Auftreten Schmerzen. Die Entzündung kann den Knorpel zerstören und so zu Veränderungen am Knochen führen.

Schlimmer und häufig Folge einer unbehandelten Entzündung ist die Strahlbein-Nekrose. Dabei wird das Strahlbein nicht mehr richtig mit Blut versorgt. In der Folge wird der Knorpel nicht mehr richtig versorgt und zerstört. Außerdem wird mit der Zeit auch das Strahlbein selbst zerstört und kann brechen.

Weitere mögliche Ursachen für das Hufrollen-Syndrom sind Veränderungen an den Ansatzpunkten der Sehnen und Bänder.

Das Hufrollen-Syndrom tritt meist an den Vorderbeinen auf, da hier durch die anatomische Verhältnisse stärkere Stoßbelastungen auftreten. Probleme mit der Hufrolle an den Hinterbeinen sind selten.

Das Hufrollen-Syndrom kommt häufig nicht alleine. Begleiterscheinungen sind oft Arthrose im Hufgelenk oder eine Degeneration des Strahlkissens. Beide Erkrankungen haben ähnliche Ursachen, wie das Hufrollen-Syndrom oder können Folge davon sein.

Die Ursachen für das Hufrollen-Syndrom sind umstritten, in Frage kommen viele Faktoren.

- Unumstritten ist, dass zu enge Hufe und untergeschobene Trachten Hufrollenerkrankungen begünstigen.

- Zu wenig Bewegung schädigt die Knorpel im Hufgelenk und das Strahlkissen, da diese nicht richtig mit Nährstoffen versorgt werden. In der Folge werden vermehrt Schwingungen auf die Hufrolle übertragen, was auch hier zu Schädigungen führt.

- Falscher Hufbeschlag, der den Hufmechanismus behindert, setzt ebenfalls den Dämpfungsmechanismus des Hufes außer Kraft, was die Hufrolle schädigt.

- Zusätzlich wird eine genetische Komponente vermutet, die zu einer Schwäche in der Hufrolle führt.

Folgende Symptome sind typisch für das Hufrollen-Syndrom:

- klammer Gang

- Taktstörungen in engen Wendungen

- vermehrtes Verweigern beim Springen, vor allem wenn das Pferd groß abspringen muss oder bei hohen und weiten Hindernissen.

- Laufunlust auf harten Böden

- Entlasten eines Vorderbeins

- häufiges Stolpern

Meist tritt im Anfangsstadium keine deutliche Lahmheit auf, sondern das Pferd wirkt eher laufunlustig und steif. Oft weigern sich die Pferde, enge Wendungen zu gehen und verweigern beim Springen zunehmend den Dienst.

So diagnostiziert der Tierarzt ein Hufrollensyndrom:

Haben Sie eines der oben genannten Symptome bei Ihrem Pferd festgestellt, sollten Sie einen Tierarzt zu Rate ziehen, der Ihren Verdacht überprüft.

Die üblichen Untersuchungsmethoden, wie Beugeproben und das Abdrücken des Hufes mit einer Hufzange ist meist negativ oder nur schwach positiv.

Auch beim Vortraben an der Hand und an der Longe ist meist keine eindeutige Diagnose möglich.

Meist lässt der Tierarzt das Pferd danach auf einem engen Zirkel auf hartem Boden traben. Hier sind typischerweise Taktstörungen zu sehen. Bestätigt wird die Diagnose normalerweise durch eine Leitungsanästhesie. Wird der Bereich unterhalb des Kronbeins betäubt, sollten die Taktstörungen verschwinden.

Der nächste Schritt ist ein Röntgenbild, auf dem der Tierarzt beurteilen kann, ob knöcherne Veränderungen am Hufbein oder Strahlbein vorliegen. Eine Ultraschalluntersuchung und eventuell ein Kernspin, geben können dazu beitragen, die genaue Ursache des Hufrollen-Syndroms zu klären.

Folgende Behandlung hilft beim Hufrollen-Syndrom:

- Der Standard-Ansatz für die Behandlung ist es die Entzündung in der Hufrolle zu bekämpfen und die anatomischen Strukturen zu entlasten. Dazu wird ein entzündungshemmendes Medikament (meist Cortison) direkt an die Hufrolle gespritzt. Zusätzlich bekommt das Pferd weitere Entzündungshemmer über das Futter. Um den erkrankten Bereich zu entlasten bekommt das Pferd einen Spezialbeschlag. Meist sind das Eiereisen mit einem Polster darunter. Das Polster verringert die Stoßbelastungen, die auf den Huf wirken. Das Eiereisen entlastet die tiefe Beuge-Sehne und vermindert so den Zug auf die Hufrolle.

- Zu Beginn der Behandlung sollten Sie Stoßbelastungen für den Huf vermeiden. Gleichzeitig ist Bewegung wichtig, um den Stoffwechsel im Huf anzuregen. Das heißt möglichst viel Bewegung im Schritt auf weichem, aber nicht zu tiefem Boden. Dabei sollten sie enge Wendungen vermeiden. In der Praxis sind das meist Ausritte durch Wälder und über Wiesen.

- Weitere Ansätze zur Behandlung sind Stoßwellen-Therapie und spezielle Medikamente, die die Durchblutung fördern und so die Beschwerden lindern sollen. Diese Therapien sind jedoch noch recht neu und die Heilungs-Chancen noch nicht durch Studien belegt.

- Neben dem Spezialbeschlag ist eine Huforthopädische Behandlung ein Weg, die Hufsituation zu verbessern. Viele sehen diesen Weg als sinnvoller, da durch das entfernen der Eisen der Hufmechanismus verbessert wird.

- Durch spezielle Futtermittel kann die Entzündung gehemmt werden. Dabei bieten sich Weidenrinde, Teufelskralle und Ingwer an. Extrakte aus der Grünlippigen Miesmuschel können helfen, den Knorpel besser zu versorgen. Es gibt auch Medikamente, die den Knorpelaufbau fördern sollen.

Alle diese Therapien können den Entzündungsprozess lediglich stoppen. Die bereits vorhandenen Veränderungen bleiben bestehen und sind ein Risikofaktor. Daher ist es wichtig, bei der weiteren Nutzung des Pferdes auf diese Einschränkungen Rücksicht zu nehmen. Sind Hufrollen-Veränderungen diagnostiziert, die bereits zu einer Entzündung geführt haben, sollten Sie das Pferd sorgfältig managen. Das heißt, wenn überhaupt, nur mäßig springen. Hohe und weite Sprünge sollten die Ausnahme sein. Auch beim Ausreiten sollten Sie auf die Erkrankung Ihres Pferdes Rücksicht nehmen. Vermeiden Sie lange Strecken auf hartem Boden und wählen Sie Trab- und Galoppstrecken sorgfältig aus. In der Dressur sollten Sie auf enge Wendungen möglichst verzichten.

Mit diesen Maßnahmen lässt sich ein Hufrollensyndrom meist ganz gut in den Griff bekommen, soweit noch keine größeren Schäden vorhanden sind. Viele Pferde bleiben so noch lange reitbar.

Ist es soweit, dass das Pferd dauerhaft Schmerzen in der Hufrolle hat, gibt es noch die Möglichkeit eines Nervenschnitts (Neurektomie). Dabei werden die Nerven, die die Hufrolle innervieren durchtrennt. Dadurch wird der hintere Teil des Hufes schmerzunempfindlich und gefühllos. Das Pferd kann jetzt also wieder schmerzfrei laufen. Zu Beginn stolpern Pferde mit Nervenschnitt häufig, da sie sich erst an das neue Gefühl in den Hufen gewöhnen müssen.

Der Nervenschnitt macht das Pferd schmerzfrei, behebt das zugrunde liegende Problem aber nicht. Daher besteht auch weiterhin die Gefahr, dass die Veränderungen so groß werden, dass das Strahlbein durchbricht, was für das Pferd sehr schmerzhaft ist. Da das Pferd die Schmerzen nicht mehr spürt, belastet es die entzündete Hufrolle zu stark, was die Veränderungen beschleunigen kann. Es liegt also in der Verantwortung des Besitzers das Pferd weiterhin sorgfältig zu managen, auch wenn es scheinbar beschwerdefrei ist. Mehr als gelegentliches freizeitmäßiges Reiten sollten Sie einem solchen Pferd nicht mehr zumuten. Wichtiger sind viel Bewegung auf der Koppel und eine artgerechte Haltung.

Mehr zum Thema



Aktualisiert am: 20.11.2006

Ihr Kommentar:


Name:


Kommentare 0 bis 5 von 37 Kommentaren   |< < >> >|

Hallo,
ich habe eine 12 jährige Stute gefunde, bei der die Hufrolle, laut
anzeige, noch nicht weit fortgeschritten ist.
Ich kann dass extrem schlecht einschätzen!
Hat jemand eine gute erfahrung mit dieser Krankheit und könnte mir
sagen wie sich dass entwickeln kann (wie belastbar solche Pferd sind,
ob es wieder weg gehen kann.)
vielen dank
Amaryllis
[Amaryllis | 04.08.2011]
Antworten


@Sunny: laut meines wissens mit einem Bruch, sehen die chancen nicht
gut aus und ist auch weniger mit der Kälte abhänging, es kommt aber
auf den Bruch darauf an ob er längst ist, Es kann auch zu einem
knochenexplosion kommen da sieht es dann gar nicht mehr gut aus

[AL | 13.07.2011]
Antworten


ICH SAGTE JA ZUM NERVENSCHNITT! Bei meinem Wallach Rico 18 Jahre
wurde letztes Jahr am 16.06.2010 an beiden Vorderbeinen ein
Nervenschnitt gemacht und jeweils ca 8-10cm lange Nervenstränge
empfernt.Bei dieser art von Nervenschnitt wird der Hintere Teil des
Hufs still gelegt, vorn in der Hufzehe hat das Pferd das volle Gefühl.
Nach 16 Tagen Klinik kam er wieder heim. Wir haben einen Offenstall
mit ca 100qm Paddock und somit hatte sich die Boxenruhe bei uns gleich
erledigt. Ich habe ihn auch jeden Tag auf die Wiese geleassen, diese
halt so abgezeunt das keine Strecke entstand wo er lossausen konnte.
Nach ca 4 Wochen haben wir wieder langsam angefangen zu reiten und er
läuft seitdem einwandfrei, kein stolpern und total klar. Es muß einem
natürlich bewußt sein, das so ein Pferd nicht mehr im Sport eingestzt
werden DARF( aber das sagt einem eigendlich der normale
Menschenverstand)auch enge Wendungen und Sprünge sind tabu.Auch bedarf
es einen guten Hufschmid der die Hufe gut bearbeit und sportlich kurz
schneidet, das er gut und leicht abrollen kann.Es gibt zwar es keine
Zeitliche abschätzung wie lange mein Pferd taktrein läuft ( ich hoffe
für immer ;-) , aber wir leben im jetzt und genießen jeden Tag. Mein
Rico ist ein reines Freizeitpferd und wir sind im Gelände auf Asphalt,
Wiese, Waldweg,Kiesweg ohne probleme unterwegs. Ich bin froh das ich
mich trotz meiner ängste,diesen Weg gegagen bin.Dies habe ich auch der
guten Aufklährungsarbeit und vollen Unterstützung und vielen
Gesprächen mit meinem Tierarzt zu verdanken.
[Nicola | 17.01.2011]
Antworten


Also ich konnte bei meinem Pferd keinen Zusammenhang zwischen Kälte
und vermehrtem Lahmen aufgrund seiner Strahlbeinerkrankung
feststellen. Im Gegenteil - er hat seine Schübe meist im Frühjahr und
Sommer bekommen wenns warm ist. Bei einer Freundin ist es ähnlich -
deren Stute geht auch meist im Sommer lahm.
[Franziska (tipps-zumpferd.de) | 30.10.2010]
Antworten


Ich habe einen 6 jaehrigen palomino QH. Alle 3-5 wochen fing er das
lahmen an, also ging ich mit ihm zu meiner Tieraerztin. Wir haben
beide Vorderhufe geroengt, und dann der Schock. Die Diagnose war nicht
nur Strahlbein Syndrom, NEIN, es war GEBROCHENES Strahlbein. Unheilbar
da dieser bruch schon mindestens 1 Jahr alt ist. Zurzeit arbeite ich
mit meiner Tieraerztin zusammen und habe mein Pferd mit so genannten
EggBars beschlagen, die ihm auch wirklich gut tuen. Er laeuft viel
besser mit diesem Beschlag. Vor ca. 3 tagen habe ich mit einer
Cortison behandlung angefangen und er scheint schon viel besser zu
laufen. Dennoch muss er noch 2 tage ruhe haben und auch dann, langssam
anfangen. Ich habe nur eine frage:
Wie ist das verhaeltnis des Strahlbein Syndroms / Starhlbein bruches
mit der Kaelte in Deutschland?
Zurzeit lebe ich in den USA und werde im naechsten Jahr nach
Deutschland zurueck ziehen, dennoch wuerde ich gerne wissen wie die
Strahlbein Syndrom erkrankten pferde mit der Kaelte umgehen.
Ich hoffe von euch zu hoeren!
C
[Sunny | 28.10.2010]
Antworten


Kommentare 0 bis 5 von 37 Kommentaren   |< < >> >|
Hinweis

Copyright © tipps-zum-pferd.de 1999-2012   | Tippscout 5.0